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Fabian Fritzsche: Konvergenz erreicht – Euro gerettet?

16. November 2014

Es gibt wohl nicht viele Punkte, in denen sich Euro-Befürworter und Euro-Gegner einig sind. Einer dieser Punkte ist, dass die Konvergenz der wirtschaftlichen Entwicklung der Mitgliedsländer eine hohe Relevanz besitzt. Eine gemeinsame Währung mit beschränkter Arbeitsmobilität und eher geringen Transfers zwischen den einzelnen Volkswirtschaften kann auf Dauer nur funktionieren, wenn sich die Volkswirtschaften nicht zu unterschiedlich entwickeln und immer weiter auseinanderdriften.

Dies betrifft insbesondere das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Die Meinungen der Befürworter und Gegner gehen eher auseinander in der Frage, ob diese Konvergenz überhaupt erreicht werden kann und wenn ja unter welchen Umständen, also ob diese noch wünschenswert sind oder nicht (Stichwort Fiskalunion, Transfergemeinschaft). Diese Diskussion wird sicherlich weiter anhalten und ist auch notwendig.

Unabhängig von normativen Aussagen was wünschens- und erstrebenswert ist und was nicht, zeigt ein Blick auf die nackten Zahlen, dass die Konvergenz innerhalb der Eurozone in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat und zwar unabhängig davon wie diese gemessen wird und sowohl hinsichtlich BIP-Wachstum als auch bezüglich der Inflation. Die Differenzen der Wachstums- als auch der Inflationsraten zwischen den einzelnen Mitgliedsländern und insbesondere auch zwischen den großen vier Volkswirtschaften haben sich klar eingeengt. Im zweiten Quartal wuchsen Estland und Malta mit 2,8% bzw. 2,7% am stärksten, was allenfalls gegenüber dem kleinen Zypern mit -2,5% ein nennenswerter Vorsprung ist, aber auch das ist im Vergleich zu über 16 Prozentpunkten Differenz zwischen Estland und Griechenland 2011 noch moderat. Von den großen Volkswirtschaft wies Deutschland mit 1,3% das höchste Wachstum auf, Italien mit -0,2% das niedrigste. Bei den Inflationszahlen ist das Bild ähnlich, wobei die Unterschiede dort ohnehin nie so stark ausgeprägt waren wie beim BIP-Wachstum. Insgesamt betrachtet war die Konvergenz in der Eurozone wohl noch nie so groß wie in den letzten Quartalen.

Sollte Konvergenz wirklich eine notwendige Bedingung für die Funktionsfähigkeit eines gemeinsamen Währungsraumes sein oder umgekehrt fehlende Konvergenz eine notwendige Bedingung für ein Auseinanderbrechen, muss man sich um das Bestehen der Eurozone derzeit wohl wenig Sorgen machen. Der Preis für diese Konvergenz ist allerdings hoch. Die Unterschiede der Wachstumsraten sind vor allem deshalb so klein, weil keine Volkswirtschaft mehr wirklich kräftig wächst. Aus dem gleichen Grund sind die Inflationsdifferenzen klein. Wo die Wirtschaft stagniert, gibt es üblicherweise keine hohe Inflation (allenfalls kurzfristig über Importpreise), da die Löhne ebenfalls stagnieren und die Unternehmen über wenig Preiserhöhungsspielraum verfügen. Stabilität der Währungsunion durch wirtschaftliche Stagnation und hohe Arbeitslosigkeit war jedoch sicher nicht die Zielvorstellung bei Gründung der Eurozone. Angesichts der schwachen Wachstumsaussichten wird die Konvergenz bis auf weiteres anhalten. Sollten es irgendwann wieder mehr Wirtschaftswachstum geben, wird es damit jedoch wahrscheinlich wieder vorbei sein. Die Zeit jetzt sollte daher entsprechend genutzt werden, nicht nur um Strukturreformen für höheres Wachstum umzusetzen, sondern auch um Rahmenbedingungen für dauerhafte Stabilität auch in einem günstigeren Umfeld zu schaffen.

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