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Spott über die Prognostiker

16. Januar 2015

Nun haben auch die Kollegen von der großen deutschen Wirtschaftszeitung den besten Prognostiker für 2014 auserkoren. Naja, könnte man sagen, doppelt hält besser. Das Ding ist, dass die Düsseldorfer beim Kopieren der alten FTD-Aktion irgendwie auf andere Ergebnisse kommen als wir (siehe Auswertung in der SZ vom 29.12.). Was zudem nicht so richtig überzeugend wirkt. Irgendwie scheint die Wahl selbst die eigenen Chefs zu überfordern.

Dass es einigen Grund gibt, über die Methodik der Handelsblatt-Kollegen zu staunen, haben wir an dieser Stelle schon vergangenes Jahr dargelegt (hier). Die Zweifel gelten auch diesmal. An erster Stelle des Rankings steht kurioser Weise diesmal eine Bank (die gute Berliner Sparkasse), die das Wirtschaftswachstum gar nicht so genau vorhergesagt hat – mit 1,7 statt der jetzt gemeldeten 1,5 Prozent. Kurioser noch: unter den Top sieben rangieren bei den Kollegen auch die Konjunkturexperten von MM Warburg, die zwar in aller Regel ziemlich gute Prognosen machen, 2014 mit der Erwartung eines richtig kräftigen Aufschwungs (2,3 Prozent Wachstum) aber komplett daneben lagen; die Prognose liegt um gut die Hälfte über dem tatsächlichen Ergebnis. So etwas zu loben, hat schon etwas Gagaeskes.

Wie kann das sein? Nunja, die Kollegen haben die Auswertung (ursprünglich) an Ökonomen delegiert, die das Ganze so stark vermathematisiert haben – eine gängige Krankheit – dass ein bisschen der gesunde Menschenverstand verloren gegangen ist. Um die Qualität der Prognosen zu testen, wurden nicht nur für das Bruttoinlandsprodukt (also das Wirtschaftswachstum insgesamt), sondern für sämtliche Einzelwerte die jeweiligen Abweichungen von der nunmehr gemeldeten (vorläufigen) tatsächlichen Entwicklung berechnet, gewichtet und dann zusammen gezählt. Kurz: Eintopf. Das erklärt, warum es Ökonomen gibt, die zwar die wichtigste Größe – das BIP – völlig falsch prognostiziert haben, dies aber offenbar durch Treffer bei Einzelwerten mathematisch irgendwie kompensieren konnten. Das macht für die Wirklichkeit natürlich keinen Sinn. Natürlich wissen auch die Prognostiker, dass sie an der BIP-Prognose gemessen werden – und manch einer verbindet mit dieser Zahl ja auch eine Botschaft (weshalb wir das BIP in unserem Ranking seit 2002 immer zum allerersten Kriterium gemacht haben, und erst danach die – wichtigeren – Details). Da lässt sich manches Detail in der Prognose so (ver)stellen, dass die Botschaft passt.

Dass das Ergebnis doch irgendwie, sagen wir, verwirrend wirkt, lässt sich denn auch im heutigen Morgen-Briefing vom Herausgeber erspüren. „Nur die Deutsche Bank“ habe eine „Punktlandung“ (1,5 Prozent) gemacht, heißt es da mit der üblichen großen Verve (was natürlich Blödsinn ist, es gab ja eine ganze Reihe Ökonomen, die diese Zahl in ihrer Prognose hatten), in der – Achtung – „Gesamtwertung“ habe aber die Berliner Sparkasse gewonnen (die – siehe oben – aber das Wachstum gar nicht so richtig vorhergesagt hat). Achso. Naja, kompliziert eben.

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