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Wirtschaftsdienst exklusiv – Investitionsschwäche in Deutschland?

18. Januar 2015

Deutschland wird von Wissenschaft und Medien eine Investitionsschwäche attestiert. Ist dieses Urteil richtig? Welche Faktoren bestimmen die Entwicklung? Wie sieht es im europäischen Vergleich aus? Die Mitarbeiter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) Bastian Alm und Martin Meurers untersuchen die Investitionstätigkeit und geben in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst einen anschaulichen Überblick mit einer Vielzahl von Abbildungen.

Wirtschaftsdienst. 

Tatsächlich lässt sich die Entwicklung der Investitionsquoten seit 1991 eindeutig strukturieren: Nach der Wiedervereinigung gab es einen Investitionsboom – vor allem in den Neuen Bundesländern. Die Dotcom-Blase beendete diese Entwicklung 2000 abrupt. Nach der Erholung seit 2005 kam es mit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 wiederum zu einem Absturz.

Im europäischen Vergleich steht Deutschland gar nicht so schlecht da. 2013 lag die Investitionsquote mit knapp 20% deutlich über dem Niveau in Italien und Großbritannien, nur Frankreich wies höhere Werte auf. Langfristig ist die deutsche Investitionsquote aber gesunken: Bau- und Ausrüstungsinvestitionen zeigen einen negativen Trend. Vor allem der deutsche Staat investiert immer weniger. Im europäischen Vergleich ist Deutschland mit Österreich Schlusslicht bei den öffentlichen Bruttoanlageinvestitionen. Zieht man die Abschreibungen ab und betrachtet die Nettowerte, ist das öffentliche Anlagevermögen seit 2003 sogar gesunken. Die Infrastruktur leidet mittlerweile unter einem gravierenden Substanzverzehr.

Die BMWi-Mitarbeiter beklagen aber auch, dass im Privatsektor nicht genügend investiert wird. Vor allem innovative Start-ups erhalten nicht ausreichend Kapital. Demgegenüber „lagen die Investitionen in Unternehmen aus dem Growth-Segment im Zeitraum 2008 bis 2013 in Frankreich ungefähr dreimal, in Großbritannien sogar viermal so hoch wie in Deutschland.“ Nicht erstaunlich ist das Ergebnis, dass die Investitionen der Privaten von den Konjunkturerwartungen abhängen. Wie die Investitionstätigkeit wieder in Gang gebracht werden könnte, beschreiben die BMWi-Mitarbeiter allerdings nicht explizit, sie beschränken sich auf die Analyse.

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  1. 19. Januar 2015 um 11:00
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