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Wirtschaftsdienst exklusiv – Steigen die deutschen Exporte langfristig?

11. Februar 2015

Die deutsche Wirtschaft exportiert enorm viele Produkte. Allerdings hat sich das Exportwachstum zuletzt abgeschwächt – auch im Vergleich zum Welthandel. Wie wirkte die Globalisierung auf die Handelsströme? Wird die Handelsliberalisierung voranschreiten oder stoppt sie? Wie wird die Entwicklung der globalen und der deutschen Exporte weitergehen? Diese Fragen untersuchen Heiko Peters und Stefan Schneider von der Deutsche Bank Research im aktuellen Wirtschaftsdienst und machen die Entwicklung anhand von vielen Abbildungen anschaulich.

Der Welthandel hat sich langfristig positiv entwickelt. Er wuchs rascher als das globale Bruttoinlandsprodukt. Entsprechend nahm auch die Offenheit der Volkswirtschaften von 15% in den 1990er Jahren auf aktuell 25% zu – gemessen als Verhältnis von Außenhandel zu Bruttoinlandsprodukt. Vor allem die Integration der Schwellenländer hat diese Entwicklung angetrieben. Sie haben mittlerweile einen Anteil am Welthandel von fast 50%. Die Öffnung der ehemaligen Ostblockstaaten hat vor allem den deutschen Außenhandel vorangebracht. Und natürlich der technische Fortschritt: Die Transport- und Kommunikationskosten sanken, der Logistiksektor wurde automatisiert.

Der Abbau der internationalen Handelsbarrieren hat wesentlich zur Öffnung der Volkswirtschaften beigetragen. Inzwischen verlaufen die internationalen Verhandlungen allerdings eher zäh – exemplarisch dafür die stockende Doha-Runde der Welthandelsorganisation WTO. Die Globalisierung kommt hauptsächlich durch regionale Handelsabkommen voran – mittlerweile gibt es über 250.

Einen kometenhaften Aufstieg nahm China – derzeit weltweit der größte Exporteuer vor den USA. Deutschland ist nicht mehr „Exportweltmeister“, sondern besetzt den dritten Platz. Mit der weltweiten Öffnung vertieften sich auch die Wertschöpfungsketten: Ausländische Unternehmen wurden übernommen, Tochterfirmen gegründet und von externen Anbietern Zwischenprodukte gekauft. Der ausländische Wertschöpfungsanteil an den Exporten nahm deutlich zu – vor allem in China aber auch in den anderen erfolgreichen Exportnationen.
Die Autoren schreiben: „Notwendig für das reibungslose Funktionieren globaler Wertschöpfungsketten sind weitreichende Handelsabkommen, Rechtssicherheit, das Vorhandensein spezialisierter Dienstleister, die Handelsfinanzierung und Informations- und Kommunikationstechnik.“ Daher halten sie auch die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft TTIP für sehr wichtig. Sollten demgegenüber andere laufende Verhandlungen, wie z.B. die Transpazifische Partnerschaft, erfolgreich beendet werden, könnte dies negative Effekte auf den deutschen Außenhandel haben.

Langfristig erwarten Peters und Schneider, dass die deutschen aber auch die weltweiten Exporte nicht mehr so rasch wachsen wie die Produktion. Die deutschen Ausfuhren werden dem positiven Trend nicht weiter folgen, der nach ihrer Auffassung vor allem durch sehr günstige Umstände zustande kam.

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