Startseite > Out of Wirtschaftsdienst > Wirtschaftsdienst exklusiv – Deutsche Einheit – eine Erfolgsgeschichte?

Wirtschaftsdienst exklusiv – Deutsche Einheit – eine Erfolgsgeschichte?

12. Juni 2015

Die deutsche Einheit vollzog sich in mehreren Schritten – entscheidend war die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen BRD und DDR am 1. Juli 1990. Dieses Datum nimmt der Wirtschaftsdienst in seiner aktuellen Ausgabe zum Anlass zu fragen: „25 Jahre Deutsche Einheit – eine Erfolgsgeschichte?“ Renommierte Experten für den Strukturwandel haben sich mit dieser Frage auseinandergesetzt.

Ihre Antwort lautet: Ja. Vor allem kurz nach der Wende kam es zu einem raschen Aufholprozess. Aber danach geriet die ökonomische Angleichung ins Stocken. Mittlerweile hat sich das Pro-Kopf-Einkommen in Ostdeutschland auf 70% des westdeutschen Durchschnittswerts eingependelt, auch die Arbeitsproduktivität verharrt beim gleichen Prozentsatz Ost gegenüber West. Das bedeutet nun aber nicht, dass die Ostdeutschen um 30 Prozentpunkte ärmer wären als die Westbürger. Hohe Sozialtransfers sorgen dafür, dass zumindest 90% des Westeinkommens erreicht werden.

Woran liegt das Zurückbleiben des Ostens? Als ein wesentlicher Grund wird das Fehlen von Unternehmenshauptsitzen benannt. Damit sind auch weniger wertschöpfungsintensive Unternehmensfunktionen wie Forschung und Entwicklung präsent. Aber auch die Firmenstruktur mit weitgehend kleinen, nur wenig exportierenden Betrieben und die geringe Bevölkerungsdichte wirken sich nachteilig auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Joachim Ragnitz schreibt: „Zum Teil sind diese strukturellen Besonderheiten der ostdeutschen Länder unmittelbare Folge der Transformationshistorie der vergangenen 25 Jahre, zum Teil aber auch die langfristige Konsequenz historisch weiter zurückliegender Ereignisse wie der Vertreibung weiter Teile der ostdeutschen Wirtschaftseliten nach dem 2. Weltkrieg und planwirtschaftlicher Standortentscheidungen in der DDR-Zeit.“

Ein weiterer wichtiger Grund ist die Pfadabhängigkeit des Entwicklungstrends, die entweder nur sehr langsam oder durch sprunghafte Entwicklungsschübe durchbrochen werden kann. Ragnitz meint, dass die traditionellen Ansatzpunkte der Wirtschafts- und Förderpolitik mittlerweile ausgereizt seien, vielmehr braucht es eine in die Zukunft gerichtete wachstumsorientierte Strategie mit Bildung und Innovation. Rainer Land vertritt sogar die Auffassung, dass vor allem das Folgen auf dem westdeutschen Pfad der ostdeutschen Wirtschaft geschadet hat. Notwendig wäre es dagegen, einen ganz eigenen Weg zu finden. Und diesen sieht er in einer Umstellung auf ökologische Industrie, Landwirtschaft, Infrastruktur und Konsum. Einen solchen Wandel hält er allerdings für politisch nicht gewollt und entsprechend nicht durchsetzbar.

Zum Beitrag

Advertisements