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Ökonomen-Umfrage 2015 – Sinn über allen

23. Juni 2015

Welcher deutsche Ökonom hat den größten Einfluss auf die Wirtschaftspolitik im Lande? Auf den ersten Blick wirkt nachvollziehbar, was immerhin ein Drittel der Ökonomen in der Umfrage der vergangenen Wochen auf diese Frage geantwortet haben: Hans-Werner Sinn. Irgendwie. Manchmal mit, manchmal ohne Bindestrich. Meist mit zwei „n“, gelegentlich aber auch schon einmal mit einem. Auch mal mit ganz neuem Vornamen. Sehr oft auch  mit dem Beisatz: Sinn, leider. Egal. Sinn halt. Allpräsent.

Ranking_deutsche_ökonomen_vergleich2006_2015 Bemerkenswert daran ist, wie allein Sinn heute in der Kollegen-Einschätzung seines Einflusses dasteht. Bei der Vorgängerumfrage 2006 gab es immerhin noch Bert Rürup, den Rentenpapst, der lag damals sogar knapp vor Sinn. Was in dem Sinne gerechtfertigt schien, da er damals immerhin auch maßgeblich zu der einen oder anderen Rentenreform beigetragen hat. Rürup gibt heute als Präsident des Handelsblatt Research Instituts den Weltökonomen, was dem Rentencruncher keiner richtig abnimmt. Und er rangiert laut Umfrage weit hinten. Abgestürzt.

Kurios an dem guten Abschneiden von Sinn in der Umfrage ist, wie hoch die Kollegen seinen Einfluss offenbar einschätzen. De facto hat sich der Professor aus München ja viele Sympathien in der Politik eher verspielt, wird er dort so richtig Ernst gar nicht genommen, sind auch keine großen Dinge bekannt, für die er steht und die tatsächlich umgesetzt wurden. Nicht einmal eine Rürup-Rente. Das heißt andererseits aber auch, dass die Ökonomen so wenig Einfluss haben, dass selbst Sinn schon als Einflussreichster durchgeht. Weil er in den Medien so präsent ist vielleicht.

An Platz zwei rangiert weit hinter Sinn immerhin Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Der hat tatsächlich kürzlich eine wichtige Kommission für den Wirtschaftsminister führen dürfen, die damit beauftragt war, den Investitionsmangel in Deutschland beheben zu helfen.

Versucht man das Ganze positiv zu sehen, könnte man auch sagen: die Zunft steckt in einem Umbruch, einem Generationenwechsel, und es gibt halt eine Menge Ökonomen in (relativ) wichtigen Positionen, die aber noch nicht so lange da sind – und vielleicht deshalb noch nicht als so einflussreich wahrgenommen werden. Oder es noch werden müssen. Update in vier oder fünf Jahren. Bei der nächsten großen Ökonomen-Umfrage.

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  1. Dr. Bernhard K. Dold
    25. Juni 2015 um 11:27

    Erstaunlich, dass der Mann immer noch so heißt. Redet er doch seit 20 Jahren Unsinn.

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