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Fabian Fritzsche: Obama – Zeit für eine Bilanz in sieben Charts

16. Januar 2016

Noch ist die Amtszeit von US-Präsident Barack Obama noch nicht um, aber nachdem er nun seine letzte Rede zur Lage der Nation gehalten hat, ist es Zeit, eine  (ökonomische) Bilanz seiner Amtszeit zu ziehen.

Als Präsident vereidigt wurde er im Januar 2009, zu diesem Zeitpunkt befand sich die US-Wirtschaft im freien Fall, die mit Krediten privater Haushalte finanzierte Immobilienblase war geplatzt. Im Schlussquartal 2008 war die reale Wirtschaftsleistung um annualisierte 8,2% gegenüber dem Vorquartal gefallen, im ersten Quartal 2009 noch einmal um annualisierte 5,4%. Die Industrieproduktion brach sogar noch stärker ein und die Zahl der Beschäftigten war vergleichen mit dem Vor-Krisen-Hoch bereits um 4 Mio. gesunken. Nahezu alle volkswirtschaftlichen Kennziffern verschlechterten sich in atemberaubendem Tempo. Recht genau sieben Jahre sind seit der Amtsübernahme nun vergangen und bei fast allen Indikatoren wurde noch 2009 oder spätestens 2010 der Tiefpunkt erreicht.

Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft:

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Der Beschäftigungsabbau kaum erst ca. ein Jahr nach Obamas Amtsantritt zum Ende, seitdem wurden allerdings 13,6 Mio. neue Jobs geschaffen, im privaten Sektor sogar knapp über 14 Mio. Im öffentlichen Sektor wurden also sogar Stellen abgebaut. Insgesamt eine durchaus gute Arbeitsmarktentwicklung.

Beschäftigungsquote:

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Trotz des guten Stellenaufbaus ist die Erwerbsquote, also der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Beschäftigung, bislang nur leicht erholt. Doch auch hier ist der Aufschwung nicht zu verkennen.

Reales BIP:

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Ganz im Gegensatz zu Europa hat sich das reale BIP nicht nur deutlich erholt, sondern liegt bereits seit längerem klar über dem Vor-Krisen-Hoch. Die durchschnittliche Wachstumsrate ist zwar mit etwas über 2% p.a. für US-Verhältnisse gering, übertrifft damit aber immer noch problemlos ein Wachstum, welches in dem meisten europäischen Ländern als ausgesprochen gut angesehen würde.

Industrieproduktion:

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Seit dem Tief 2009 ist die Industrieproduktion so stark gestiegen wie in fast keinem anderen westlichen Industrieland. Der jüngste leichte Rückgang ist dabei auf den Rückgang in den Bereichen Bergbau und Energie zurückzuführen, das verarbeitende Gewerbe wächst weiter.

Leistungsbilanzsaldo:

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Die Verbesserung des Leistungsbilanzsaldos begann bereits 2007 in Folge der konjunkturellen Abkühlung. Mit dem Einbruch des BIPs bzw. des privaten Konsums 2008/09 gab es dann einen deutlichen Schub. Trotz der wirtschaftlichen Erholung kam es dann ab 2010 aber nicht zu einer erneuten Verschlechterung, da die US-Wirtschaft zum einen an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen hatte und weil durch den Frackingboom die Energieimporte sanken.

Einzelhandelsumsätze:

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Die Einzelhandelsumsätze boomten regelrecht in den vergangenen sieben Jahren. Im Gegensatz zum Aufschwung zuvor war der wachsende private Konsum allerdings nicht von steigender privater Verschuldung getrieben.

Private und öffentliche Schuldenquote:

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In der Amtszeit von Barack Obama stieg die Staatsschuldenquote massiv an, gleichzeitig aber sank die Schuldenquote der privaten Haushalte deutlich. Zudem hat die Staatsschuldenquote den Höchststand erreicht und ist zuletzt licht gesunken.

Insgesamt kann die wirtschaftliche Entwicklung der USA unter Präsident Obama damit als gut aber sicherlich nicht herausragend bezeichnet werden. Die Beschäftigungsquote ist nach wie vor relativ niedrig, die Staatsverschuldung recht hoch. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass sich die USA bzw. die Weltwirtschaft insgesamt zum Zeitpunkt der Amtsübernahme in der größten Wirtschaftkrise seit 1929 befanden. Die Startvoraussetzungen waren damit in ökonomischer Hinsicht für Obama also ungleich schwerer als für die meisten seiner Vorgänger. Sollte sich die wirtschaftliche Situation der USA im laufenden Jahr bis zur Wahl im Herbst nicht massiv verschlechtern, muss die Präsidentschaft zumindest unter ökonomischen Gesichtspunkten als Erfolg gewertet werden.

  1. Kai Seim
    17. Januar 2016 um 10:42

    Jetzt häte ich gerne dieselben Statistiken für Euro-Zonen-Länder gesehen wie D, UK, F, I etc. sowie für China (soweit den Daten dort vertraut werden kann) und andere asiatische Länder aus Japan. Dann wäre die Sache rund, denn dann hätte man die Möglichkeit des Quervergleichs.

  1. 21. Januar 2016 um 11:01
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