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Wirtschaftsdienst exklusiv – Durch niedrige Löhne zu mehr Wachstum?

14. Februar 2016

Konnten die Anpassungsprogramme die Folgen der Krise in den betroffenen Ländern bewältigen? Diese Frage wird zwiespältig beantwortet. Einige meinen, sie wären erfolgreich, andere sehen Probleme. Welche Mechanismen dabei in Gang gesetzt werden und wie dies kurz- und langfristig wirkt, zeigen drei Experten von Prognos und der Bertelsmann Stiftung anhand einer Simulationsstudie in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Lohnerhöhungen unter Berücksichtigung aller Auswirkungen immerhin nicht ganz negativ zu bewerten sind.

Um die Wirkungen einzelner Politikmaßnahmen zu schätzen, treffen die Autoren Annahmen über die Mechanismen und berücksichtigen auch Nebenwirkungen und Rückkopplungen. Bei einer Lohnforcierung kann folgendes passieren:

  • Das Preisniveau kann steigen.
  • Die EZB könnte daraufhin eine restriktivere Geldpolitik beginnen, d.h. die Zinsen steigen.
  • Die Beschäftigung kann abnehmen. Die Lohnsumme steigt aber, wenn die Löhne stärker zunehmen als die Beschäftigung zurückgeht.
  • Der Konsum nimmt zu und das umso stärker je mehr sich die Einkommensverteilung zugunsten niedriger Einkommen verändert.
  • Die Exporte sinken wegen der verringerten preislichen Wettbewerbsfähigkeit.
  • Wie die Investitionen reagieren, hängt von deren Zinselastizität ab.

Aus all diesen Faktoren errechnen die Wissenschaftler für 42 Länder, davon 16 aus dem Euroraum, die Wirkungen auf wichtige Verwendungskomponenten des Bruttoinlandsproduktes. Dabei kommt heraus, dass kurzfristig ein Szenario mit Lohnerhöhungen nur auf wenige Größen positiv wirkt, langfristig auf alle, bis auf den privaten Konsum, schlecht. Um punktgenauere Empfehlungen geben zu können, wurde die ausgewählte Gruppe in wirtschaftlich starke und schwache Länder aufgeteilt. Dann kommen die Autoren immerhin zu einer verhalten positiven Beurteilung von Lohnerhöhungen: „Temporäre Lohnzurückhaltung in den wirtschaftlich schwachen Ländern ist nur dann ein Element zur Wiedergewinnung der Wettbewerbsfähigkeit, wenn sie wirtschaftspolitisch flankiert wird. Zu dieser Flankierung gehören Lohnforcierungen in den wirtschaftlich starken Ländern, Transferzahlungen zur Förderung von Investitionen und die – zumindest temporäre – Akzeptanz höherer Inflationsraten in der Eurozone.“

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