Startseite > Out of Wirtschaftsdienst > Wirtschaftsdienst exklusiv – Ökonomische Ursachen des Populismus

Wirtschaftsdienst exklusiv – Ökonomische Ursachen des Populismus

Populismus macht sich breit: Das zeigen der Brexit, die Wahl Donald Trumps, die befürchteten Ergebnisse der Wahlen in den Niederlanden und Frankreich sowie das Erstarken der AfD in Deutschland. Erklärt wird dieser Trend häufig sozio-kulturell mit einer Skepsis gegenüber der modernen globalisierten Welt. Adalbert Winkler, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, präsentiert in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst einen anderen Erklärungsansatz, der den Blick vor allem auf die ökonomischen Ursachen lenkt.

Er beschreibt die Entwicklung der dominierenden ökonomischen Dogmen und deren Einfluss auf die Politik sowie die Veränderung der globalen wirtschaftlichen Verflechtungen und deren Folgen für die Beschäftigten. Abschließend analysiert er die Erfolgsaussichten einer Politik, die von Populisten zur Lösung der entstandenen Probleme angeboten wird.

Adalbert Winkler identifiziert vor allem zwei Gründe für das Unbehagen der Unterschicht und der unteren Mittelschicht in den USA: Seit den 1980er Jahren entwickelten sich Einkommen und Vermögen immer ungleicher. Zudem stagnierten die Realeinkommen vor allem in der Unterschicht oder sanken sogar. Wann war Amerika groß und warum? Ein Blick zurück zeigt: Die Wirtschaft in den USA stand in Blüte, bevor das Bretton-Woods-System mit festen Wechselkursen und Kapitalverkehrskontrollen 1973 zusammenbrach. Nach der zunehmenden Liberalisierung des internationalen Güter-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs kam es in den USA zu einem Ende der nationalen Wirtschaftspolitik und zu immer größeren Leistungsbilanzdefiziten. Begleitet wurde die Entwicklung in den 1970er Jahren von einem wachsenden Staatsdefizit und inflationären Tendenzen. Die dann einsetzende Wende zu einer dezidierten Angebotspolitik stellte die Preisstabilität in den Vordergrund. Vollbeschäftigung war nur noch ein sekundäres Ziel und Verteilungsaspekte gerieten unter die Räder.

Sozio-kulturelle vermischten sich mit ökonomischen Ursachen für die Verbreitung des Populismus. Zuwanderung und Gleichberechtigung führten letztlich zu einer wachsenden Zahl von Arbeitsuchenden und drückten die Löhne. Die Abwehrhaltung dagegen wurde auf eine andere Ebene verschoben – sie richtete sich gegen Liberalität und Toleranz. Dem Populismus wurde aber auch aus anderen Gründen Vorschub geleistet: Die Finanzkrise untergrub das Vertrauen breiter Bevölkerungsschichten in die Marktwirtschaft.

Die Antwort populistischer Parteien auf diese Probleme ist eine nationale und protektionistische Wirtschaftspolitik. Ob diese allerdings durchgesetzt werden kann, ist angesichts eines globalen Finanzsystems mit freiem Kapitalverkehr und flexiblen Wechselkursen fraglich. Zudem ist zu befürchten, dass die Inflation zurückkehrt. Winkler glaubt: „Ein Scheitern des Wirtschaftsnationalismus ist also wahrscheinlich, aber nicht vorprogrammiert, schon gar nicht in der kurzen Frist.“

Zum Beitrag

Advertisements
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s