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Wirtschaftsdienst exklusiv: Wie entsteht Geld?

2. Oktober 2017

Eine universelle Übereinkunft darüber, was Geld eigentlich ist, gibt es nicht. Geld wird in einem Prozess geschöpft, an dem die Zentralbank, Geschäftsbanken und Haushalte, der Staat und Unternehmen beteiligt sind. Deren Rolle wurde im Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2017 erläutert. Georg Quaas, Hochschullehrer an der Universität Leipzig, diskutiert in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst vor allem zwei Fragestellungen: Benötigen Banken Sparer, um Kredite zu vergeben, oder schöpfen sie Geld einfach selbst? Welche Beziehung besteht zwischen Geldbasis und Geldmenge?

Anlass für die Diskussion über den Prozess der Geldschöpfung und seine Wirkungen ist die expansive Geldpolitik der EZB. Mit dieser Politik verfolgte die EZB das Ziel, über verbilligte Kredite Investitionen anzuregen und damit die europäische Konjunktur in Schwung zu bringen. Zu den theoretischen Grundlagen dieser Geldpolitik gehört die Geldmultiplikator-Theorie, nach der ein funktionaler Zusammenhang zwischen Zentralbankgeld und breiter definierten Geldmengenkonzepten besteht. Die deutlich gewachsenen Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken haben aber nicht in gleichem Maße zum Wachstum der Geldmenge M3 geführt.

Zunächst einmal stellt Quaas die Frage, auf welcher Grundlage sich der Geldschöpfungsprozess vollzieht. Wird Geld von den Geschäftsbanken aus dem „Nichts“ geschaffen? Dies lehnt er ab. Tatsächlich sind Zentralbankgeld und Spareinlagen von Kunden der Geschäftsbanken für den Geldschöpfungsprozess erforderlich. Wie sich dies auf das Wachstum der Geldmenge auswirkt, hängt unter anderem vom regulatorisch vorgegebenen Rahmen ab.

Die Beziehung zwischen Geldbasis und Geldmenge beschreibt die Geldtheorie mit dem Geldmultiplikator. Ist beispielsweise der Mindestreservesatz hoch, ist dieser Multiplikator klein. Setzt man den Reservesatz auf 100%, kommt man zu dem aktuell vielfach diskutierten Voll-Reservesystem mit einem Multiplikator von 0. Für Prognosen wird der Multiplikator gern konstant gesetzt. Allerdings geschieht dies vor allem aus Gründen der Praktikabilität. Die jüngsten geldpolitischen Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass der Geldmultiplikator durchaus variabel ist, was übrigens der Monatsbericht der Bundesbank und auch Lehrbücher anerkennen.

Die Politik der EZB hätte die durchschlagendste Wirkung, wenn es eine Kausalität gäbe zwischen der Nachfrage nach Zentralbankgeld und der Nachfrage nach Sichteinlagen: mehr Zentralbankgeld, mehr Kredite, mehr Investitionen, höheres Wachstum. So einfach ist das aber nicht. Dazu stellt Quaas fest: „Um die Konjunktur zu beleben, müssen folglich verbesserte Geldmarktbedingungen mit einer steigenden Nachfrage nach Gütern Hand in Hand gehen. Eben daran hat es lange Zeit in Europa gefehlt.“

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