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Wirtschaftsdienst exklusiv – 20 Jahre Euro: (k)eine Krise

21. Januar 2019

Vor 20 Jahren wurde der Euro als Buchgeld eingeführt. Die gemeinsame Währung scheint mittlerweile das tiefste Tal der Krise überwunden zu haben, aber Probleme bleiben: Die Regeln entfalten ihre Wirkung nur unzureichend. Es müssen Mechanismen entwickelt werden, die den Euro krisenfest machen. In der Dezember-Ausgabe des Wirtschaftsdienst diskutieren Marcel Fratzscher und Alexander Kriwoluzky vom DIW darüber, wie 20 Jahre Euro zu bewerten sind und wie die Gemeinschaftswährung stabilisiert werden kann.

Marcel Fratzscher und Alexander Kriwoluzky bescheinigen dem Euro

  • die wirtschaftliche Prosperität zu fördern,
  • den Wettbewerb zu intensivieren und
  • die Finanzmarktintegration zu beschleunigen.

„[D]er Euro ist eine notwendige Voraussetzung für einen funktionierenden europäischen Binnenmarkt für Güter, Dienstleistungen und Kapital.“, sagen Fratzscher und Kriwoluzky und weisen außerdem auf die Vorteile des Euro als internationale Währung hin.

Die ersten zehn Jahre des Euro wurden gemeinhin „als großer wirtschaftspolitischer Erfolg gewertet“, auch wenn sich Ungleichgewichte und Blasen bildeten. Mit der Krise 2007/08 kam es zu großen ökonomischen Verwerfungen: Die Finanzkrise brachte einige Mitgliedstaaten durch stark steigende Zinsen in Schieflage. Die Bezeichnung „Euro-Krise“ sei jedoch falsch, meinen Fratzscher und Kriwoluzky. Die Krise sei von Finanzinstituten und nicht durch den Euro verursacht worden.

Austritte aus der Währungsunion sind für Fratzscher und Kriwoluzky keine Antwort. Die Konsequenzen wären Staatsbankrotte und Insolvenz-Wellen. Ganz im Gegenteil können viele europäische Probleme nur mithilfe des Euro gelöst werden. Fratzscher und Kriwoluzky haben zusammen mit deutschen und französischen Wirtschaftswissenschaftlern ein Reformprogramm vorgeschlagen, das die Eigenverantwortung der nationalen Regierungen stärken soll, die Risikoteilung verbessern will und die Koordination der Wirtschaftspolitik verbessern möchte. Eine solche Reform kann helfen, die gemeinsame Währung weiter zu stabilisieren und zukunftsfest zu machen.

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  1. 24. Januar 2019 um 10:10

    Der Euro eine Erfolgsgeschichte? Naja, so wie der EURO und die Eurozone konstruiert wurden, eher nicht… Für wirtschaftlich schwächere Länder wie Griechenland brachte er meistens nur EU-Sparprogramme, beziehungsweise Austeritätspolitik mit schlimmen Folgen für die griechische Bevölkerung… 🤔 Echt toll! Für Deutschland war der Euro natürlich perfekt. Zusammen mit den neoliberalen Hartz IV-Reformen und der Schröderschen Agenda-Politik wurde die deutsche Wirtschaft zum „economic powerhouse“ der EU. Nur was für katastrophale Auswirkungen diese für die Bevölkerung in Deutschland hatte, (Sanktionen bei Hartz IV, Lohndumping, Leiharbeit, etc….), dafür hat sich die Bundesregierung nie interessiert!

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