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Konjunktursignale der nächsten Tage

3. November 2019

Diese Woche stehen die Bank of England und die deutsche Industrieproduktion im Vordergrund. Die wichtigsten weltwirtschaftlichen Indikatoren der kommenden Tage lesen Sie hier: 2019-11-01 Wochenvorschau

Mittwoch: Die neue Brexit-Verschiebung bis spätestens Ende Januar 2020 will das Vereinigte Königreich für Neuwahlen am 12. Dezember nutzen. Somit wird das britische Parlament am 6. November aufgelöst, wonach die fünfwöchige Wahlkampfperiode beginnt. Der britische Premier Johnson erhofft sich nach der Neuwahl eine Mehrheit an Parlamentssitzen, um die EU vielleicht schon zum 1. Januar zu verlassen. Dagegen dürfte die EU-freundliche Opposition im Wahlkampf ein zweites Referendum mit der Option zum EU-Verbleib anstreben. Allerdings lassen sich aus Umfragen aufgrund des britischen Wahlsystems (1 Parlamentssitz pro Wahlkreis) keine zuverlässigen Prognosen für das Wahlergebnis ableiten. Eine Parlamentsmehrheit für Johnson bleibt angesichts der Brexit-bedingten Spaltung im Land fraglich.

Donnerstag: Im August war die Produktion im deutschen produzierenden Gewerbe für manche überraschend gestiegen. Das dürfte an einer für den August ungewöhnlich geringen Belastung durch die Schulferien gelegen haben. Im September kehrt das produzierende Gewerbe nun wieder zur Tagesordnung zurück. Die äußerst schwache Auftragsentwicklung hinterlässt ihre Spuren nicht nur in den Auftragsbeständen, sondern auch in der industriellen Erzeugung. Einen Hinweis darauf geben die vorliegenden sehr schwachen Daten zur Automobilproduktion. Etwas besser sollte die Bauproduktion abschneiden, aber unterm Strich bleibt es im September bei einem Rückgang der Produktion im produzierenden Gewerbe.

Donnerstag: Die weitere Brexit-Verschiebung bis Ende Januar mit Neuwahlen am 12. Dezember bringt wieder alle Brexit-Szenarien auf den Tisch: vom No-Deal-Brexit über Brexit mit Deal bis hin zur Absage des Brexits. Entsprechend unterschiedlich dürfte die Bank of England (BoE) zur gegebenen Zeit auf die jeweiligen Szenarien reagieren – mit schnellen Leitzinssenkungen oder langsamen Leitzinserhöhungen. Beim Zinsentscheid im November hat die BoE noch keinen Grund, ihre Geldpolitik zu ändern. Allerdings muss sie zunehmend abwägen, inwiefern in der langen Wartezeit auf den Brexit ein tieferer Leitzins angebracht wäre, um die mit der Brexit-Unsicherheit verbundene Wirtschaftsabschwächung abzumildern. Hinweise darauf könnten die neuen Prognosen der BoE in ihrem Geldpolitischen Bericht (ehemals Inflationsbericht) geben.

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