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Thomas Fricke: Arbeitsmarkt – Wenn Deutschland wieder abbaut

11. Januar 2020

In Deutschland steigt die Arbeitslosigkeit wieder. Das ist noch keine Katastrophe – aber ein ziemlich ernstes Warnsignal in Zeiten von Trump und anderen geopolitischen Risiken.

Ein ganzes Jahrzehnt ging die Sache gut. Jetzt ist passiert, was das Gros der Auguren kaum mehr für möglich zu halten schien: in Deutschland sind erstmals seit 2013 zum Jahreswechsel wieder mehr Arbeitslose registriert worden als ein Jahr zuvor.

Das Ende vom deutschen Jobwunder – mit seinen immer neuen Rekorden und sinkender Arbeitslosigkeit? Oder nur ein Ausrutscher?

Die Erfahrung der vergangenen Jahre könnte einen Ausrutscher vermuten lassen. So lautete auch der Tenor der Kommentare, als die Bundesagentur für Arbeit vergangene Woche die Wendedaten verkündete. Keine Panik (klar, die brauchen wir ja auch fürs Klima). Noch steckt die Wirtschaft nicht in einer tieferen Rezession.

Bei genauerem Hinsehen liegt im jüngsten Trend aber ein ziemlich ernst zu nehmendes Warnsignal. Es könnte sich auszahlen, auf sehr viel negativere Überraschungen vorbereitet zu sein – um darauf politisch notfalls schnell reagieren zu können.

So ganz überraschend kommt die Nachricht in Wirklichkeit ja nicht – gemessen daran, wie nah die deutsche Wirtschaft vergangenes Jahr an eine Rezession zu geraten drohte (und dann auch kam). Die Industrie bekam Ende vergangenen Jahres fast zehn Prozent weniger Aufträge als zu Hochzeiten Anfang 2018. Auto- wie Maschinenbauer entlassen angesichts rapide schrumpfender Umsätze schon seit Monaten mehr Leute als sie einstellen. Gerade im einst exportverwöhnten Süden Deutschlands liegt die Arbeitslosigkeit in vielen Bezirken bereits seit Monaten höher als im Vorjahr.

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