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Neues aus dem Forum New Economy – der Newsletter #61

Liebe Freunde, Kolleginnen und Kollegen,

es gehört zu den Kuriositäten deutscher Ökonomie: der Grad der Aufregung um Missstände steht vor lauter beinahe religiösem Eifer (Stabilitätskultur) nicht immer im Verhältnis zur handwerklichen Solidität der Analysen. Das gilt vermutlich nirgends so sehr wie beim Thema Inflation – und in diesen Wochen. Da wird Tag für Tag sehr aufgeregt gemutmaßt, dass die Teuerung sich verfestigt– jenseits der vorübergehenden Einflüsse und Basis-Effekte auf die Jahresrate. Statt dann aber logisch die laufende Veränderung der Preise von Monat zu Monat besonders aufmerksam zu beobachten, gibt es dazu in denselben aufgeregten Berichten hierzulande auffällig oft: nichts. Dabei gibt es die Daten ja (zuletzt ließ die saisonbereinigte Vormonatsrate zum Beispiel deutlich nach, was in den Vorjahresraten wegen der Basiseffekte nicht sichtbar ist). Fahrlässig? Oder ein Mangel an Ausbildung? Selbst studierte Volkswirte scheinen hierzulande mit so schnödem statistischem Analyse-Handwerkszeug überfordert. Was nicht unbedingt für die Ökonomie-Ausbildung spricht.

Gegen ein Ausmaß an analytischer Redlichkeit spricht, wenn der neue Bundesbankchef Joachim Nagel in seiner Antrittsrede diese Woche formuliert, die Bundesbank habe ja schon früh vor Inflationsgefahren gewarnt. Dabei lag die Bundesbankprognose für 2021 (zu Ende 2020) auch nur bei gerade 1,8 Prozent – niedriger als manch andere. Die Behörde hat den Ausreißer halt auch nicht vorhergesehen. Wie auch? Dass die Preise so stark anzogen, hat ja maßgeblich mit corona-bedingten Energiepreisschocks und Lieferengpässen. Und die hat auch die Bundesbank nicht vorhergesagt.

Wie eine moderne Geldpolitik aussehen sollte, zeichnet Adam Tooze in dem jetzt veröffentlichten Paper für das Forum New Economy vor. Vielleicht kann der neue Bundesbankchef ja heimlich mal reinschauen. Vorsicht, es könnte die Belegschaft irritieren.

Ob die Ökonomen ganz grundlegend neue Modelle brauchen, diskutieren wir am Mittwoch mit dem australischen Wirtschaftsprofessor Steve Keen – in unserem ersten New Economy Short Cut 2022. Steve stellt sein neues Buch „The New Economics – A Manifesto“ vor. Was sie davon halten, legen anschließend die renommierte britische Ökonomin Ann Pettifor und Peter Bofinger von der Universität Würzburg dar. Mittwoch, 19. Januar – um 10 Uhr (für Steve auf der anderen Seite der Erde 21 Uhr).

Ein schönes Wochenende,

Thomas Fricke

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