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Konjunktursignale der nächsten Tage

Diese Woche stehen das UK-BIP und der ZEW-Index für Deutschland im Vordergrund. Indikatoren der kommenden Tage lesen Sie hier: 2020-08-07 Wochenvorschau

Dienstag: Die Erwartungen der Finanzmarktanalysten an die Konjunktur sind schon ziemlich hoch. Damit diese auch Realität werden, darf es zu keinen Störungen kommen. Die Risiken für solche Störungen haben aber mit dem Wiederanstieg der Corona-Neuinfektionen spürbar zugenommen. In fast einem Viertel der Länder weltweit tobt die zweite Welle. Darunter befinden sich auch europäische Nachbarn Deutschlands. Vor diesem Hintergrund erwarten wird im August eine Seitwärtsbewegung der ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland. Die bislang sehr schwache Lageeinschätzung der Finanzmarktanalysten dürfte sich dagegen weiter verbessern.

Mittwoch: Die Corona-Pandemie hinterlässt besonders tiefe Spuren im Vereinigten Königreich. Im zweiten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt um ganze 20 % gegenüber dem Vorquartal geschrumpft sein. Dies dürfte zum weltweiten Rekord-Einbruch werden. Ein relativ später und langer Lockdown sowie die hohe Abhängigkeit vom besonders hart getroffenen Dienstleistungssektor sind hierfür die Gründe. Die Erholung der britischen Wirtschaft ab dem dritten Quartal wird neben den anhaltenden Corona-Risiken zusätzlich durch die Brexit-Unsicherheit belastet. Das Vor-Corona-Niveau von Q4/2019 dürfte die britische Wirtschaft nach den neuesten Prognosen der Bank of England erst Ende 2021 erreichen.

Freitag: Bereits in der Frühphase der Corona-Krise stellte sich die Frage nach der Stärke des Aufschwungs: Würde der vorherige Wirtschaftspfad wieder rasch erreicht werden (V-Verlauf) oder müsste mit einem dauerhaften Verlust rechnen (L-Verlauf). Inzwischen deutet sich an, dass sich die US-Wirtschaft insgesamt zwischen „V“ und „L“ erholt. Gemessen an der Entwicklung der Einzelhandelsumsätze kann zwar durchaus von einem „V“-Verlauf gesprochen werden. Tagesdaten zur Konsumentwicklung deuten an, dass das Vorkrisenniveau im Juli wieder überschritten wurde. Die Industrie hat es hingegen weitaus schwerer an frühere Zeiten anzuknüpfen. Trotz eines weiteren relativ kräftigen Produktionsanstiegs im Juli dürfte mit diesem nur gut die Hälfte des vorherigen Produktionsverlustes aufgeholt worden sein.

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Thomas Fricke: Corona und Wirtschaft – Die Lockdown-Hysterie

Experten warnen, auf die steigenden Corona-Fälle dürfe jetzt bloß nicht ein weiterer Lockdown folgen. Sonst drohe wirtschaftlich die Katastrophe. Das ist ein Missverständnis.

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Konjunktursignale der nächsten Tage

In der kommenden Woche blicken wir zunächst auf den US-Einkaufsmanagerindex (ISM) für das verarbeitende Gewerbe (Montag). Die deutsche Produktion im produzierenden Gewerbe und der US-Arbeitsmarktbericht beschließen die Konjunkturwoche.Indikatoren der kommenden Tage lesen Sie hier: 2020-07-31 Wochenvorschau

Montag: Die wirtschaftliche Erholung verläuft in den USA nicht einheitlich. So hat sich der private Konsum, auch dank der umfangreichen fiskalpolitischen Maßnahmen, rasch erholt. Hingegen hinkt das verarbeitende Gewerbe der Entwicklung hinterher. Dies ist eine Erklärung dafür, dass der nationale Einkaufs­managerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe im Juli wei­ter ansteigen dürfte, obwohl die Corona-bedingten Restriktionen zurzeit wieder zunehmen. Unterstützung für diese Einschätzung lieferten in den vergangenen beiden Wochen die Bekanntgaben der regionalen Fed-Umfragen. Diese haben sich nach ISM-Notation im Mittel um rund 1,5 Indexpunkte verbessert. Wir erwarten daher, dass sich auch der ISM-Index in dieser Größenordnung weiter aufhellen dürfte.

Freitag: Um wie viel das deutsche Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal geschrumpft ist, ist schon bekannt. Es war ein Jahrhundertabsturz. Doch die Juni-Indikatoren können uns ein Bild vermitteln, mit welcher (Rest-)Geschwindigkeit aus dem abgelaufenen Quartal wir in das neue gestartet sind. Einer der aktuell besten frühzeitig vorliegenden Indikatoren sind die Umsatzsteuervoranmeldungen. Diese deuten nach einem kräftigen Mai auf eine Abflachung der wirtschaftlichen Aktivität im Juni hin. Dies sollte sich insbesondere in einem geringeren Plus der Industrieproduktion zeigen. Für die Bauproduktion erwarten wir sogar ein leichtes Minus. Unterm Strich verbleibt für die Produktion im produzierenden Gewerbe eine im Vergleich zu normalen Zeiten immer noch kräftige Zunahme.

Freitag: Kühlt sich die US-Wirtschaft angesichts deutlich gestiegener Neuinfiziertenzahlen nochmals ab? Der Arbeitsmarktbericht für Juli dürfte insgesamt auf eine weiterhin kräftige Erholung hindeuten. Zu beachten ist hierbei, dass die Daten in der ersten Julihälfte erhoben wurden. Bis dahin dürfte die wirtschaftliche Aktivität im Vergleich zur ersten Junihälfte weiter angestiegen sein. Zwar hat sich der Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in diesem Zeitraum verlangsamt. Gleichwohl ist das Ausmaß des Rückgangs der Erstanträge im historischen Vergleich weiterhin groß gewesen. Wir erwarten daher, dass auch der Beschäftigungsaufbau sehr hoch ausfallen wird. Derzeit zeichnet sich allerdings eine nachlassende Dynamik bei der Beschäftigung ab, sodass ein erneuter Beschäftigungsabbau im August durchaus möglich erscheint.

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Thomas Fricke: Populismus in Europa – Der (un)heimliche Siegeszug der Chauvis

Österreich, Niederlande, Schweden, Dänemark: Europas angeblich so sparsame Vier machen auf Gut gegen Böse. Das zeigt, wie populistisch selbst dort regiert wird, wo Populisten gar nicht an der Macht sind.

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Konjunktursignale der nächsten Tage

26. Juli 2020 Kommentare aus

Neben der Unternehmensstimmung (ifo Geschäftsklima am Montag) stehen das deutsche Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal und die deutschen Verbraucherpreise am Donnerstag im Fokus. Indikatoren der kommenden Tage lesen Sie hier: 2020-07-24 Wochenvorschau

 

Montag: Die Stimmung der deutschen Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten nach der Lockerung des Lockdowns wieder aufgehellt. Doch bislang ist das vor allem eine erwartungsgetriebene Stimmungsaufhellung. Die Lagebeurteilung der Unternehmen kam kaum vom Fleck. Im Juli wird sich die Stimmung – gemessen am ifo Geschäftsklima – weiter verbessern. Doch obwohl die Lagebeurteilung etwas nach oben gehen wird, bleibt der Abstand zu den Geschäftserwartungen weitgehend unverändert. Das liegt vor allem an der Industrie. Denn das weltweit weiterwütende Corona-Virus dämpft die Exporterholung. Dagegen wird die Binnennachfrage durch die Lockerungen und das Konjunkturpaket angeregt.

Donnerstag: Es ist das erste Mal, dass das Statistische Bundesamt eine vorläufige Schnellschätzung des Bruttoinlandsprodukts veröffentlicht. Damit passt sich Deutschland dem Rhythmus des europäischen Statistikamts Eurostat an. Es ist aber auch das erste Mal in der Nachkriegsgeschichte, dass das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 10 % im Vorquartalsvergleich zurückgegangen ist. Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Schockstarre brachte nicht nur die gesamtwirtschaftliche Nachfrage im zweiten Quartal im In- und Ausland zum Kollabieren, sondern ließ auch die Angebotsseite – die gesamtwirtschaftliche Produktion – aufgrund von Lieferkettenproblemen einbrechen. Die Corona-Folgen setzten schon im März, also zum Ende des ersten Quartals ein und erreichten Mitte April ihren Höhepunkt. Seither erholt sich deutsche Volkswirtschaft allmählich.

Donnerstag: Die Schnellschätzung für Juli wird zeigen, wie sich die Senkung der Mehrwertsteuer in Deutschland auf die Verbraucherpreise auswirkt. Mit der umfassendsten Weitergabe der Steuersenkung rechnen wir bei Energiegütern, gefolgt vom Lebensmitteleinzelhandel. Dieser geht pragmatisch vor und verrechnet den temporär niedrigeren Mehrwertsteuersatz einfach an der Ladenkasse. Wohnungsmieten und einige weitere Dienstleistungen sind von der Mehrwertsteuer ausgenommen. In anderen Bereichen der Kernrate dürfte sich die Senkung nur in geringem Umfang bemerkbar machen. Den Gesamteffekt auf die Verbraucherpreise beziffern wir auf 0,7 Prozentpunkte. Aufgrund von Basiseffekten und gestiegenen Benzinpreisen geht die Jahresrate des HVPI dennoch nur auf 0,6 % zurück.

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Thomas Fricke: Corona-Hilfen – Die absurde Angst vor der Staatswirtschaft

25. Juli 2020 Kommentare aus

Noch ist offen, ob die Hilfspakete gegen die Corona-Depression reichen – da machen Ökonomen in Deutschland Panik, jetzt komme (doch noch) der Sozialismus. Das ist völlig abwegig. Und riskant.

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Ben S. Bernanke, Timothy F. Geithner and Henry M. Paulson Jr: Firefighting – The Financial Crisis and Its Lessons

24. Juli 2020 Kommentare aus

Ben Bernanke, Timothy Geithner and Henry Paulson – as Federal Reserve chair, New York Fed president and Treasury secretary, respectively – played prominent roles in the US government’s response to the 2008 financial crisis. In this ultimate insiders’ report, the three central actors are free to be more honest than they could be at the time they toiled to save the global economy, and they acknowledge that financial innovation had far outpaced the ability of regulators to oversee it. This three-way memoir offers a deftly written reminder of the bad old days of the crashgetabstract

About the Authors:
Ben Bernanke was chair of the Federal Reserve from 2006 to 2014. Timothy Geithner was
president of the Federal Reserve Bank of New York and later Treasury secretary under President
Barack Obama. Henry Paulson was secretary of the Treasury from 2006 to 2009.

Konjunktursignale der nächsten Tage

19. Juli 2020 Kommentare aus

Die wichtigsten Indikatoren der kommenden Woche sind die Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone am Freitag. Zuvor werden am Donnerstag das deutsche Gfk-Konsumklima und der Zinsentscheid der türkischen Zentralbank veröffentlicht. Indikatoren der kommenden Tage lesen Sie hier: 2020-07-17 Wochenvorschau

Donnerstag: Gemessen an der Entwicklung des Einzelhandels­umsatzes ist die Konsumwelt in Deutschland wieder in Ordnung: Der Corona-Kollaps wurde im Mai nicht nur ausgeglichen, sondern es wurde sogar noch eine Schippe oben draufgelegt. Das war aber vermutlich nur ein Nachholeffekt. Einschränkungen wie die Maskenpflicht und die Abstandsregeln wie auch die steigende Arbeitslosenquote und schwächere Lohnanstiege sollten sich auch in Zukunft dämpfend auf die Konsumlaune auswirken. Für das GfK-Konsumklima erwarten wir im Juli den dritten Anstieg in Folge und damit die Bestätigung des grundsätzlichen Aufwärtstrends. Doch trotz der Verbesserungen dürfte die Konsumlaune recht verhalten bleiben.

Donnerstag: Die türkische Zentralbank dürfte am kommenden Donnerstag den Leitzins unverändert bei 8,25 % lassen. Bereits im Juni hatte die Zentralbank überraschend den Leitzins nicht weiter gesenkt. Begründet hatte sie damals ihre Entscheidung u.a. mit dem wieder stärkeren Preisdruck. Denn die Inflationsrate ist im Juni von 11,4 % auf 12,6 % weiter angestiegen, sodass es von dieser Seite keinen Spielraum für Zinssenkungen gibt. Auch die türkische Lira hat trotz aller Stabilisierungsversuche der Zentralbank zuletzt weiter abgewertet und handelt aktuell bei 6,86 TRY/USD. Eine Straffung der Geldpolitik scheint indes unwahrscheinlich: Der wirtschaftliche Ausblick hat sich angesichts der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden einbrechenden Tourismuseinnahmen weiter eingetrübt. Zudem steigt die Arbeitslosenquote rasant.

Freitag: Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland ist zurzeit nicht eindeutig. Während die ifo Geschäftserwartungen in die Höhe schossen, verharrte die Lageeinschätzung nahe des Allzeittiefs. Gleichzeitig stiegen zuletzt die Einkaufsmanagerindizes in Richtung der kritischen 50-Punkte Marke. Wir erwarten im Juli eine Fortsetzung dieser Bewegung in abgeschwächtem Tempo. Bei all dem darf aber nicht übersehen werden, dass die erreichten Werte eine weiterhin schwache konjunkturelle Dynamik anzeigen. In Deutschland entspricht der Industrieindikator immer noch dem der Industrierezession vor Corona. Für eine Normalisierung sind aber eine deutlich höhere konjunkturelle Dynamik und entsprechend steigende Einkaufsmanagerindizes erforderlich.

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Thomas Fricke: Reichtumsgefälle – Geld macht doch glücklich

18. Juli 2020 Kommentare aus

Geld allein garantiert kein schönes Leben, klar. Trotzdem sind Reiche zufriedener – und darin könnte der eigentliche Grund für Wutbürgertum und Unmut im Land liegen.

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Konjunktursignale der nächsten Tage

12. Juli 2020 Kommentare aus

Diese Woche stehen der EZB-Zinsentscheid und der ZEW-Index für Deutschland im Vordergrund. Die wichtigsten weltwirtschaftlichen Indikatoren der kommenden Tage lesen Sie hier: 2020-07-10 Wochenvorschau

Dienstag: Mit viel Vorschusslorbeeren schossen die Erwartungen der Finanzmarktanalysten hinsichtlich der Märkte und der Konjunktur in den letzten Monaten nach oben. Zumindest die Konjunkturerwartungen – wie sie beispielsweise vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW erhoben werden – dürften im Juli einen Dämpfer erhalten haben. Hierzu tragen in erster Linie globale Infektionszahlen mit Corona und im Besonderen die eskalierende Situation in den USA bei. Hinzu kommt eine Konjunkturerholung, die bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Wir erwarten daher nach drei Anstiegen der ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland in Folge im Juli einen ersten Rückgang.

Donnerstag: Diese EZB-Ratssitzung dürfte die erste seit Ausbruch der Corona-Pandemie werden, bei der keine geldpolitischen Weichenstellungen stattfinden. Denn bei ihrem letzten Treffen Anfang Juni haben die Notenbanker ihren Handlungsspielraum bereits erheblich erweitert, indem sie Umfang und Dauer ihrer zukünftigen Wertpapierkäufe deutlich erhöhten. Entsprechend sollte sich die Diskussion nun auf die Leitlinien des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) verlagern. Dies betrifft vor allem die Orientierung der Käufe am Eigenkapitalschlüssel. Zudem signalisierten einige Ratsmitglieder, dass der Rahmen dieses Programms möglicherweise nicht im vollen Umfang ausgeschöpft werde, während andere eine Verlängerung über Juni 2021 hinaus nicht ausschließen wollen.

Donnerstag: Die Wirtschaft Chinas hat sich nach dem Corona-bedingten Einbruch seit März kräftig erholt. Die Industrieproduktion erreichte bereits im April ihr Vorkrisenniveau, während sich insbesondere der private Konsum deutlich langsamer erholte. Wir erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 9,5 % gegenüber dem ersten Quartal gewachsen ist, was einem Anstieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,6 % bedeuten würde. Die Einkaufsmanagerindizes für Juni signalisieren, dass die Wirtschaft mit Schwung in das dritte Quartal geht, doch zeigen sie auch, dass die Arbeitsmarktentwicklung mit dem Produktionsanstieg nicht Schritt hält. Zudem dürften die Bremswirkungen der schwachen Weltwirtschaft stärker zu spüren sein.

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Konjunktursignale der nächsten Tage

5. Juli 2020 Kommentare aus

Diese Woche stehen der Euroland-Sentix und die deutsche Nettoproduktion im Vordergrund. Die wichtigsten weltwirtschaftlichen Indikatoren der kommenden Tage lesen Sie hier: 2020-07-03 Wochenvorschau

Montag: Die Stimmungsindikatoren steigen wieder. Das trifft in besonderem Maße für die Umfragen bei Finanzmarktanalysten zu, die naturgemäß auch immer die positiven Marktentwicklungen mit im Blick haben. Und es zeigt sich – unabhängig von den Befragten –, dass bislang vor allem die Erwartungen zulegten, während die Lageeinschätzung sich bislang nur leicht verbesserte. Der Juni könnte letzteres ändern. Wir erwarten einen spürbaren Anstieg der Lagebeurteilung der Finanzmarktanalysten und – angesichts der schon hohen Werte – nur noch eine leichte Zunahme der Erwartungen. Das Sentix-Konjunktur­klima legt damit im Juli seinen dritten Anstieg in Folge hin und schwenkt auf einen Aufwärtstrend ein.

Dienstag: Der April dürfte den Tiefpunkt der Corona-Rezession markiert haben. Nun stellt sich die Frage, wie schnell sich die Konjunktur erholen kann. Dabei könnte sich ein Muster wie in den USA herausbilden. Während sich der Einzelhandel zügig erholt, hinkt die Industrie hinterher. Das liegt unter anderem an den anhaltenden Corona-Belastungen in weiten Teilen der Welt, aber auch an der Komplexität der Liefer- und Produktionsprozesse. Einen Hinweis hierauf geben die Umsatzsteueranmeldungen der gewerblichen Wirtschaft, die im Mai nur sehr leicht zulegen konnten. Für die Produktion im produzierenden Gewerbe erwarten wir eine Belebung, die aber angesichts der Tiefe des Falls in den Vormonaten bescheiden ausfallen könnte.

Donnerstag: Die Inflationsentwicklung in China wurde in den vergangenen zwölf Monaten von der Schweinegrippe dominiert, die zu stark steigenden Fleischpreisen geführt hatte. Mittlerweile ist die Jahresveränderungsrate für Schweinepreise von 135,2 % im Februar auf 81,7 % im Mai gesunken. Die Nahrungsmittelpreise dürften auch im Juni der wichtigste Treiber für die Inflationsrate gewesen sein. Wir erwarten, dass die Inflationsrate von 2,4 % auf 2,8 % gestiegen ist, da schwere Überschwemmungen im Süden Chinas zu einem Anstieg der Gemüsepreise geführt haben und auch die Schweinepreise wieder gestiegen sind. Rechnet man die Nahrungsmittel heraus, lag die Inflationsrate im Mai bei 0,4 %, was ein Hinweis darauf ist, dass die Konsumnachfrage insgesamt eher verhalten ist.

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Konjunktursignale der nächsten Tage

28. Juni 2020 Kommentare aus

Neben den Inflationsdaten aus der Eurozone (Dienstag) stehen die chinesischen Einkaufsmanagerindizes (Mittwoch) und der US-Arbeitsmarktbericht (Freitag) im Fokus. Die wichtigsten weltwirtschaftlichen Indikatoren der kommenden Tage lesen Sie hier: 2015-06-26 Wochenvorschau

Dienstag: Die Inflation im Euroraum dürfte im Juni wieder auf 0,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat zugenommen haben. Ausschlaggebend hierfür sind höhere Preise von Benzin und Diesel sowie die im Jahresvergleich immer noch kräftige Teuerung bei Lebensmitteln. Gleichzeitig rechnen wir mit einer etwas niedrigeren Kerninflation von 0,8 %. Beispielsweise könnten saisonbedingte Preissenkungen bei Bekleidung angesichts voller Lager etwas stärker ausgefallen sein als üblich. Zudem ließen sich im Mai 34 % der Preise von Dienstleistungen immer noch nicht beobachten und mussten durch Schätzungen ersetzt werden. Mit der sukzessiven Wiedereröffnung der Wirtschaft sollte der Anteil geschätzter Preise weiter zurückgehen, wodurch die Verlangsamung des Preisauftriebs deutlicher sichtbar werden könnte.

Dienstag: Die Erholung der chinesischen Wirtschaft setzt sich fort. Die neuen Corona-Fälle in der Hauptstadt Peking und die darauffolgende Beschränkung der Bewegungsfreiheit in Teilen der Stadt dürften sich nicht nennenswert in den landesweiten Zahlen niederschlagen. Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus den Industrieländern machen Hoffnung, dass die Schwäche des Exportsektors, die sich bislang vor allem in den Exportaufträgen gezeigt hat, schneller überwunden werden kann als befürchtet. Im Juni dürfte sich das verarbeitende Gewerbe weiter erholt haben, doch die schwache Auftragslage im Exportsektor dürfte dazu geführt haben, dass der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe weiterhin nur knapp über der 50-Punkte-Marke (DekaBank-Prognose: 50,5 Punkte) gelegen hat.

Donnerstag: Der US-Arbeitsmarktbericht für Juni dürfte den stärksten monatlichen Beschäftigungsaufbau aller Zeiten beinhalten. Bereits im Mai fanden über 2 Millionen wieder einen Job. Im Juni dürfte es aufgrund der weitergegangenen Lockerungsmaßnahmen einen noch wesentlich stärkeren Beschäftigungsaufbau gegeben haben. Gleichwohl, der Beschäftigungshöchststand im Februar dieses Jahres wäre dann immer noch gut 14 Millionen entfernt. Auch für die Arbeitslosenquote rechnen wir mit einem deutlichen Rückgang von 13,3 % auf 10,5 %. Auch hier gilt, dass die Anfangserfolge groß sind, aber der Weg zurück zum Ausgangsniveau sehr weit ist. So lag die Arbeitslosenquote zu Beginn des Jahres noch bei 3,5 % – einem Niveau das möglicherweise über Jahre nicht mehr reicht werden wird.

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Thomas Fricke: Corona-Rezession – Trügerische Boomsignale

26. Juni 2020 Kommentare aus

Erst gab es für Deutschlands Wirtschaft in der Coronakrise immer neue historische Absturzrekorde. Jetzt vermelden Auguren plötzlich Rekordanstiege. Wird alles gut? Vorsicht, Täuschung.

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Robert J. Shiller: Narrative Wirtschaft: Wie Geschichten die Wirtschaft beeinflussen – ein revolutionärer Erklärungsansatz

24. Juni 2020 Kommentare aus

Echte Revolutionen sind in der Wissenschaft selten. Auch erweist sich das Potenzial einer scheinbar bahnbrechenden Idee meist erst im Nachhinein. In den Wirtschaftswissenschaften war es zuletzt der Ansatz der Verhaltensökonomie, der versuchte, ganz neue Grundannahmen zu treffen. Robert Shillers Buch Narrative Wirtschaft zielt auf einen ähnlichen Paradigmenwechsel. Der Gedanke, gesellschaftlich-historische Erzählungen für die Vorhersage wirtschaftlicher Entwicklungen zu nutzen, ist durchaus plausibel, bedarf aber sicher noch einiger Vorarbeit, um fruchtbar zu werden. Jedenfalls ein höchst interessanter Ansatz. getabstract

Über den Autor:
Robert J. Shiller ist Wirtschaftswissenschaftler und lehrt an der Yale University. 2013 wurde er mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Er ist Autor verschiedener Bestseller, darunter Irrationaler Überschwang und Animal Spirits.

Konjunktursignale der nächsten Tage

21. Juni 2020 Kommentare aus

Diese Woche stehen die Euroland-Einkaufsmanagerindizes und der deutsche ifo-index im Vordergrund. Die wichtigsten weltwirtschaftlichen Indikatoren der kommenden Tage lesen Sie hier: 2020-06-19 Wochenvorschau

Dienstag: Die europäische Wirtschaft durchlebt die schwerste Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Bereits im ersten Quartal gab es in Euroland eine Rekordschrumpfung des Bruttoinlandsprodukts um 3,6 % im Vergleich zum Vorquartal. Die Einkaufsmanagerindizes für den Juni deuten Licht am Ende des Tunnels an. Dies gilt sowohl für den Teilindex der Industrie als auch für den Teilindex der Dienstleister. Die Einkaufsmanagerindizes nähren allerdings nur die Hoffnung auf die Rückkehr zu Wachstum in der zweiten Jahreshälfte. Im laufenden zweiten Quartal zeichnet sich eine noch weitaus stärkere Schrumpfung der Wirtschaftsleistung ab als in den ersten drei Monaten des Jahres.

Mittwoch: Der Tiefpunkt der Corona-Rezession dürfte im April erreicht worden sein. Schon der Mai brachte eine leichte Belebung der Konjunktur, die sich aber nicht in der Lagebeurteilung der ifo-Umfrage bemerkbar machte. Der damalige Anstieg des Geschäftsklimas lag einzig und allein an den besseren Geschäftserwartungen. Für die Juni-Umfrage erwarten wir eine erste Verbesserung der Lagebeurteilung. Die Geschäftserwartungen sollten dagegen – wie schon im Vormonat – kräftiger zulegen können. Sinkende Infektionszahlen und die massive Unterstützung durch die Geld- und Fiskalpolitik lassen die Unternehmen auf bessere Zeiten hoffen. Angesichts der schwachen Verfassung der Gegenwart ist das allerdings auch keine allzu verwegene Hoffnung. Das ifo Geschäftsklima wird sich daher im Juni zum zweiten Mal in Folge verbessern.

Freitag: Die Ausgaben und Einnahmen der privaten US-Haushalte werden auch im Mai ungewöhnlich hohe Veränderungsraten aufweisen: Überraschend stark waren die Einzelhandelsumsätze im Mai gegenüber dem Vormonat angestiegen und dies dürften nun auch die Konsumausgaben insgesamt bestätigen: Der Konsum ist sehr stark in den neuen Aufschwung gestartet. Der Arbeitsmarktbericht hat zudem angedeutet, dass auch bei den Löhnen und Gehältern ein kräftiger Zuwachs vorliegen dürfte. Gleichwohl profitierten die privaten Haushalte im April von dem Konjunkturprogramm CARES. Die darin enthaltenen Einmalzahlungen wurden extrem rasch verteilt, sodass nun im Mai der negative Rückpralleffekt erfolgt. Weniger spektakulär wird sich der Deflator entwickeln.

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