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Archive for the ‘Exklusiv’ Category

Kate Raworth: Die Donut-Ökonomie – Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört

6. August 2018 Kommentare aus

Kate Raworth stellt in ihrem Buch einen überzeugenden Gegenentwurf zur klassischen Wirtschaftstheorie vor. Das Konzept der „Donutökonomie“ weitet den Blick und erhöht die Chance, zu neuen Wirtschaftsformen zu gelangen, die die lebensspendenden Ressourcen der Erde schonen. Auf erfrischende Weise beantwortet Raworth die Frage, die sich Generationen von Wirtschaftsstudenten gestellt haben: Warum werden weiter Kurven und Modelle diskutiert, deren Annahmen nichts mit der Realität zu tun haben? Keine Zeit damit vertrödeln, lautet Raworths Antwort, und stattdessen nützliche Modelle entwickeln. Das Buch ist ein kraftvolles Plädoyer für eine Neuausrichtung der Wirtschaftswissenschaften. Den praktischen Weg der Umsetzung beschreitet Raworth allerdings nur in ersten, zaghaften Schritten. Viele Fragen bleiben offen. So erklärt Raworth zwar, nicht nur Einkommen müsse umverteilt werden, sondern auch die Quellen des Wohlstands. Aber was dies machtpolitisch bedeutet, darauf geht sie nicht ein. Ebenso wenig beantwortet sie die Frage, warum sich die veralteten Denkansätze so lange halten können. Ein weiterer, womöglich etwas kleinlicher Kritikpunkt betrifft das titelgebende Modell selbst: Das Bild des Teigkringels ist etwas schief, da Raworths Diagramm rein zweidimensional ist. Mit dem Gedankenbild eines – dreidimensionalen – Donuts lassen sich ihre Ausführungen des Modells nur mit viel gutem Willen übereinbringen. getAbstract empfiehlt das Buch dennoch allen, die Ökonomie neu denken und die Theorie in den Dienst von Zielen stellen möchten.

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Über die Autorin:
Kate Raworth ist Wirtschaftswissenschaftlerin und lehrt in Oxford und Cambridge.

Wirtschaftsdienst exklusiv – Ein Grundeinkommen für Kinder

4. August 2018 Kommentare aus

Familien mit Kindern und vor allem Alleinerziehende sind in Deutschland zunehmend von Armut bedroht. Insbesondere bei kleinen und mittleren Einkommen erscheint die Gestaltung des Transfersystems zudem nicht unproblematisch, weil dort zusätzliche Anstrengungen, Einkommen zu erzielen teilweise mit Transferentzug bestraft werden. Um dieses Dilemma aufzulösen, schlägt Christian Breuer, Steuerexperte und Junior-Professor an der an der Technischen Universität Chemnitz, in der Juli-Ausgabe des Wirtschaftsdienst ein Grundeinkommen für Kinder von 400 Euro pro Monat vor.

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Wirtschaftsdienst exklusiv – Wie hat sich der Anteil einkommensschwacher Personen in Deutschland entwickelt?

Karl Brenke geht in seinem Aufsatz aus der Juni-Ausgabe des Wirtschaftsdienst der Frage nach wie sich der Anteil einkommensschwacher Personen in Deutschland entwickelt hat. Die kurze Antwort lautet: Der Anteil einkommensschwacher Personen hat zugenommen, aber auch deren Einkommen. Abhängig von der sozialen Gruppe zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Ostdeutsche sind eher einkommensschwach als Westdeutsche, das gleiche gilt für Personen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Personen ohne Migrationshintergrund. Unter Rentnern ist der Anteil der Einkommensschwachen gering, unter Erwerbslosen jedoch sehr hoch. Den Aufstieg aus dieser Gruppe haben im Vergleich der Jahre 2011 und 2016 weniger als die Hälfte der Erwachsenen geschafft.

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Michael Lewis: Aus der Welt – Grenzen der Entscheidung oder Eine Freundschaft, die unser Denken verändert hat

3. Juni 2018 Kommentare aus

Was habe ich mir nur dabei gedacht? Der Psychologe Daniel Kahneman hat sich diese einfache Frage zur Lebensaufgabe gemacht“, sagte Präsident Barack Obama 2013, als er Kahneman die Presidential Medal of  Freedom verlieh. Die Antwort auf die genannte Frage lautet oft: Nicht viel. Denn wenn wir denken, denken wir allzu oft in Abkürzungen, vereinfachen komplexe Probleme, assoziieren willkürlich und lassen uns von Vorurteilen täuschen, so die Erkenntnisse von Kahneman und seinem Kollegen Amos Tversky.

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Wirtschaftsdienst exklusiv – Wissenschaftliche Politikberatung: Plädoyer für Pluralität

14. Mai 2018 Kommentare aus

Welche Rahmenbedingungen benötigt die Wissenschaft, damit Politikberatung gelingen kann? Hans-Jürgen Krupp problematisiert den Rückgang an Lehrstühlen für Sozialpolitik in Deutschland, durch den die Basis wirtschaftswissenschaftlicher Politikberatung aus seiner Sicht ausgehöhlt wurde. Ebenso gibt er zu bedenken, dass in den Wirtschaftswissenschaften ein ausreichendes Maß an Pluralität sichergestellt werden muss. Im Vergleich mit den USA sind die Wirtschaftswissenschaften in Deutschland weniger breit aufgestellt.

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Leonhard Fischer: Es waren einmal Banker – Warum das moderne Finanzsystem gescheitert ist

26. April 2018 Kommentare aus

Auch zehn Jahre nach der Finanzkrise staunt noch immer so mancher, wie es zu einem solchen Desaster mit Ansage kommen konnte. Der ehemalige Investmentbanker Leonhard Fischer versucht eine Erklärung. Höchst kenntnisreich, aber dennoch sehr persönlich schildert er seine Sicht der Dinge – schonungslos, was das eigene Metier angeht, und durchaus auch selbstkritisch. Interessant wird es vor allem, wo Fischer aufzeigt, dass das gegenwärtige Finanzsystem nach den zahlreichen Rettungsaktionen von Staaten und Zentralbanken nur noch sehr bedingt als marktwirtschaftlich zu bezeichnen ist. Auch überzeugt seine Kritik am blinden Vertrauen auf computerbasierte Risikomodelle. Großes Vorwissen ist für die Lektüre nicht nötig, Laien werden an dem Buch ihre Freude haben. Wer sich hingegen mit dem Thema Banken inklusive Finanzkrise schon beschäftigt hat, wird nicht allzu viel Neues finden. Auch einen wirklichen Gegenentwurf liefert der Autor nicht und die Anlagetipps bleiben recht allgemein. Insgesamt ist das Buch aber eine kompetente und faktengesättigte Analyse aus Insiderperspektive, findet getAbstract. go to abstract

Über den Autor:
Leonhard Fischer startete seine berufliche Laufbahn im Investmentbanking der US-Bank J. P. Morgan und war später unter anderem Vorstand der Dresdner Bank.

Yanis Varoufakis: Die ganze Geschichte – Meine Auseinandersetzung mit Europas Establishment

Yanis Varoufakis wurde von Medien und Politikern zum Buhmann der EU abgestempelt, als er die Verträge zur Rettung des bankrotten Griechenlands neu verhandeln wollte. Sein Buch über Verrat, Mauschelei und Betrug auf der einen sowie Patriotismus, Kampfgeist und Gerechtigkeitssinn auf der anderen Seite liest sich spannend wie ein Thriller und ist umso erschreckender, weil es eben nicht Fiktion ist. Mithilfe von Mitschriften, Videoaufnahmen und Erinnerungen rekonstruiert der ehemalige griechische Finanzminister den Prozess der Griechenlandrettung. Dabei entsteht ein ganz anderes Bild als das in den Medien gezeichnete. Nebenbei erklärt der begnadete Wirtschaftswissenschaftler noch volkswirtschaftliche Zusammenhänge so, dass es selbst dem Laien plötzlich wie Schuppen von den Augen fällt: Die Rettungspakete konnten nie und nimmer Griechenland retten. Und, so Varoufakis, sie sollten es auch nicht. Dass der Motorrad fahrende Ex-Minister dabei auch immer eine Portion Selbstverliebtheit durchklingen lässt, sei ihm verziehen. Immerhin hat er Großes versucht, wenn auch nicht erreicht. Dieses eloquente Buch ist eine spannende Lektüre für jeden, dem ein demokratisches Europa am Herzen liegt, findet getAbstractgo to abstract

Über den Autor:
Yanis Varoufakis war 2015 Finanzminister in Griechenland und bestand darauf, das Rettungspaket neu auszuhandeln. Er lehrte Wirtschaftswissenschaft an der Universität Athen sowie an Universitäten in England, Australien und den USA. Er ist Mitgründer der Demokratiebewegung DiEM25 und hat unter anderem „Der globale Minotaurus“ verfasst.