Archiv

Archive for the ‘Lehrmeister’ Category

Adan Tooze: Crashed – Wie zehn Jahre Finanzkrise die Welt verändert haben

29. Januar 2019 Kommentare aus

Pünktlich zum zehnten Jahrestag der Finanzkrise von 2008 legt der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze mit Crashed eine umfassende Studie zu den Ursachen, dem Verlauf und den Nachwirkungen der größten Wirtschaftskrise der Geschichte vor. Um ihre komplexe Entwicklung zu erklären, geht er bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück und bezieht alle weltpolitischen Akteure in seine Analyse ein. Das Ergebnis ist ein Buch, das die enge Verbindung zwischen Politik und Wirtschaft sowie die großen wechselseitigen Abhängigkeiten in einer multipolaren Weltordnung vor Augen führt und bereits jetzt als Standardwerk gehandelt wird. Eine sachkundige Analyse, die viele Grundfragen unserer politischen und ökonomischen Gegenwart verständlicher macht. Die griechische Krise, der Krieg in der Ukraine, der Brexit und die Wahl Trumps erscheinen allesamt als direkte Nachwirkungen der Finanzkrise. getAbstract empfiehlt das Buch allen, die sich für die jüngere Weltgeschichte und die politische Ausgangslage unserer Gegenwart interessieren. go to abstract

Über den Autor:
Adam Tooze ist Professor für Zeitgeschichte und Direktor des European Institute an der Columbia Universität in New York. Er lehrte viele Jahre in Cambridge und Yale und seine Arbeiten wurden vielfach preisgekrönt.

Richard Thaler: Misbehaving – Was uns die Verhaltensökonomik über unsere Entscheidungen verrät

26. November 2018 Kommentare aus

Die Heimat des Homo oeconomicus sind wirtschaftswissenschaftliche Modelle. In der realen Welt sucht man vergeblich nach dieser stets rational handelnden, auf Nutzenmaximierung abstellenden Figur. Stattdessen tummeln sich dort Menschen, die oft unvernünftig, sprich entgegen ihrem Eigeninteresse handeln. Dies bereitet Ökonomen arge Probleme, ist aber das tägliche Brot von Psychologen. In den 70er-Jahren begannen Amos Tversky und Daniel Kahneman, reales menschliches Verhalten in die Ökonomie einzuführen. Zu ihnen stieß Richard Thaler, Autor dieses Buches und Nobelpreisträger von 2017. Mit ihrem evidenzbasierten Ansatz verbanden sie – gegen erheblichen Widerstand der Homo-oeconomicus-Gläubigen – Psychologie und Ökonomie zur Disziplin der Verhaltensökonomik. Sie gaben den Wirtschaftswissenschaften wie auch der Politik ein neues Instrumentarium an die Hand, um menschliches Verhalten besser zu verstehen und praktikable Konzepte zu entwickeln. Thaler erzählt kompetent und lebendig, wie die Verfechter des neuen Denkens allmählich Fuß fassten und für ihren Ansatz immer mehr Mitstreiter fanden. Ein unterhaltsames Buch, das viele Merkwürdigkeiten unseres Verhaltens erklärt und mit Gewinn zu lesen ist, findet getAbstract. go to abstract

Über den Autor:
Richard Thaler lehrt Behavioral Science and Economics an der University of Chicago. Er war unter anderem Berater von Barack Obama und erhielt 2017 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Er ist Co-Autor des Bestsellers Nudge.

Heiner Flassbeck und Paul Steinhardt: Gescheiterte Globalisierung – Ungleichheit, Geld und die Renaissance des Staates

7. November 2018 Kommentare aus

In der Ökonomie klaffen Theorie und Praxis immer weiter auseinander. Volkswirtschaften entwickeln sich anders, als die Volkswirtschaftslehre es erklären kann. Wir brauchen eine neue theoretische Basis, fordern Heiner Flassbeck und Paul Steinhardt – und zwar eine, die dem Staat eine Rolle als maßgeblicher gesamtwirtschaftlicher Akteur einräumt. Die fundierte makroökonomische Argumentation der Autoren ist in diesen makroökonomisch bewegten Zeiten ein ambitioniertes Unterfangen, das für jeden Volkswirt seinen Reiz haben sollte. Das Faszinierende an den Erkenntnissen und Vorschlägen ist, dass sie sich nicht als Resultat einer zeitgenössischen Keynes-Exegese abtun lassen. Denn bei aller Abstraktheit ökonomischer Begrifflichkeiten gelingt es den Autoren, den Blick auf der Realwirtschaft zu halten. getAbstract ist der Meinung, dass sich die ökonomischen Widersprüche unserer Zeit mit diesem Buch besser verstehen lassen als mit manchem Klassiker. go to abstract

Über die Autoren:
Der Ökonom Heiner Flassbeck war 1998/99 Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen. Danach war er Chefvolkswirt der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD). Zusammen mit dem ehemaligen Banker Paul Steinhardt ist er Herausgeber des Magazins Makroskop.

Dani Rodrik: Straight Talk on Trade – Ideas for a Sane World Economy

5. September 2018 Kommentare aus

Today, international trade intertwines countries’ economies more closely than ever before. This state of the world is a victory for those who, since the end of World War II, have promoted free trade as the solution to global ills. However, trade has become a target of popular backlash and new tariff battles. Many people believe that nations have created their own Frankenstein monster in complex global treaties. In a collection of his previously published articles, economist Dani Rodrik offers a wide-ranging overview of the complications of early 21st-century trade agreements. He coalesces his thoughts into seven intriguing principles for “a sane world economy.” Though his text is often abstract and tends to meander, Rodrik nevertheless makes some salient points about fair and equitable trade and the need for strong nation-states. While always politically neutral, getAbstract recommends his thought-provoking work to executives, trade experts and economists.

go to abstract

About the Author:
Dani Rodrik is a professor at Harvard University’s John F. Kennedy School of Government.

Kate Raworth: Die Donut-Ökonomie – Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört

6. August 2018 Kommentare aus

Kate Raworth stellt in ihrem Buch einen überzeugenden Gegenentwurf zur klassischen Wirtschaftstheorie vor. Das Konzept der „Donutökonomie“ weitet den Blick und erhöht die Chance, zu neuen Wirtschaftsformen zu gelangen, die die lebensspendenden Ressourcen der Erde schonen. Auf erfrischende Weise beantwortet Raworth die Frage, die sich Generationen von Wirtschaftsstudenten gestellt haben: Warum werden weiter Kurven und Modelle diskutiert, deren Annahmen nichts mit der Realität zu tun haben? Keine Zeit damit vertrödeln, lautet Raworths Antwort, und stattdessen nützliche Modelle entwickeln. Das Buch ist ein kraftvolles Plädoyer für eine Neuausrichtung der Wirtschaftswissenschaften. Den praktischen Weg der Umsetzung beschreitet Raworth allerdings nur in ersten, zaghaften Schritten. Viele Fragen bleiben offen. So erklärt Raworth zwar, nicht nur Einkommen müsse umverteilt werden, sondern auch die Quellen des Wohlstands. Aber was dies machtpolitisch bedeutet, darauf geht sie nicht ein. Ebenso wenig beantwortet sie die Frage, warum sich die veralteten Denkansätze so lange halten können. Ein weiterer, womöglich etwas kleinlicher Kritikpunkt betrifft das titelgebende Modell selbst: Das Bild des Teigkringels ist etwas schief, da Raworths Diagramm rein zweidimensional ist. Mit dem Gedankenbild eines – dreidimensionalen – Donuts lassen sich ihre Ausführungen des Modells nur mit viel gutem Willen übereinbringen. getAbstract empfiehlt das Buch dennoch allen, die Ökonomie neu denken und die Theorie in den Dienst von Zielen stellen möchten.

go to abstract

Über die Autorin:
Kate Raworth ist Wirtschaftswissenschaftlerin und lehrt in Oxford und Cambridge.

Michael Lewis: Aus der Welt – Grenzen der Entscheidung oder Eine Freundschaft, die unser Denken verändert hat

3. Juni 2018 Kommentare aus

Was habe ich mir nur dabei gedacht? Der Psychologe Daniel Kahneman hat sich diese einfache Frage zur Lebensaufgabe gemacht“, sagte Präsident Barack Obama 2013, als er Kahneman die Presidential Medal of  Freedom verlieh. Die Antwort auf die genannte Frage lautet oft: Nicht viel. Denn wenn wir denken, denken wir allzu oft in Abkürzungen, vereinfachen komplexe Probleme, assoziieren willkürlich und lassen uns von Vorurteilen täuschen, so die Erkenntnisse von Kahneman und seinem Kollegen Amos Tversky.

Weiterlesen …

Leonhard Fischer: Es waren einmal Banker – Warum das moderne Finanzsystem gescheitert ist

26. April 2018 Kommentare aus

Auch zehn Jahre nach der Finanzkrise staunt noch immer so mancher, wie es zu einem solchen Desaster mit Ansage kommen konnte. Der ehemalige Investmentbanker Leonhard Fischer versucht eine Erklärung. Höchst kenntnisreich, aber dennoch sehr persönlich schildert er seine Sicht der Dinge – schonungslos, was das eigene Metier angeht, und durchaus auch selbstkritisch. Interessant wird es vor allem, wo Fischer aufzeigt, dass das gegenwärtige Finanzsystem nach den zahlreichen Rettungsaktionen von Staaten und Zentralbanken nur noch sehr bedingt als marktwirtschaftlich zu bezeichnen ist. Auch überzeugt seine Kritik am blinden Vertrauen auf computerbasierte Risikomodelle. Großes Vorwissen ist für die Lektüre nicht nötig, Laien werden an dem Buch ihre Freude haben. Wer sich hingegen mit dem Thema Banken inklusive Finanzkrise schon beschäftigt hat, wird nicht allzu viel Neues finden. Auch einen wirklichen Gegenentwurf liefert der Autor nicht und die Anlagetipps bleiben recht allgemein. Insgesamt ist das Buch aber eine kompetente und faktengesättigte Analyse aus Insiderperspektive, findet getAbstract. go to abstract

Über den Autor:
Leonhard Fischer startete seine berufliche Laufbahn im Investmentbanking der US-Bank J. P. Morgan und war später unter anderem Vorstand der Dresdner Bank.