Archiv

Posts Tagged ‘Davos’

Davos10 – Von trägen Tankern und teuren Tankstellen

28. Januar 2010 Kommentare aus

Tanker ändern ihren Kurs nur sehr langsam, und dasselbe gilt für die Branche die sie betreibt. Die führenden Player der globalen Energiewirtschaft vermitteln auf dem Krisengipfel in Davos vor allem eines: Kontinuität. Das ist eine schlechte Nachricht für alle, die auf eine rasche Energierevolution hoffen, aber doch immerhin eine gute Nachricht für die Konjunktur.

*

Die große Weltwirtschaftskrise habe die Planungen seines Konzerns praktisch kaum verändert, so Tony Hayward, Chef von BP. Die langfristigen Szenarien für Energieangebot und –nachfrage gälten unverändert weiter, auch die Investitionen führe man wie geplant fort. Ähnliches berichteten seine Kollegen Peter Voser und Thierry Desmarest, die Chefs von Shell und Total, aber auch Khalid Al-Falih, der Chef der größten Ölgesellschaft der Welt, der staatlichen saudischen Aramco.

Denn in einem Punkt sind sich alle Energiemanager einig: Fossile Brennstoffe werden auch unter den ehrgeizigsten Klimaschutzszenarien den Antrieb für die  Weltwirtschaft liefern. Auch noch in 20 Jahren werden sie 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs decken. Alternative Energien sind interessant, aber noch lange nicht weit genug, um die Hauptrolle zu übernehmen.

Vor allem der Aramco-Chef gibt sich alle Mühe, jeden Zweifel an der Zukunft seines Produkts zu zerstreuen. Es sei noch immer mehr als genug Rohöl da, die aufgeregte Debatte um „Peak Oil“ habe sich zum Glück erledigt, die Produktion werde auch in Zukunft noch steigen. Saudi Arabien investiere kräftig in Reservekapazität, um kurzfristige Marktschwankungen aufzufangen und den langfristig wachsenden Ölbedarf zuverlässig zu decken. Leider zeige sich aber die Seite der Ölnachfrager weitaus weniger verlässlich und stabil. Es gebe zu viel unseriöse „Rhetorik“ über ein Ende des Öls.

Auch Andrew Liveris, Chef von Dow Chemical und damit einer der größten Abnehmer von fossilen Brennstoffen, hält nichts von Strategien, sich „unabhängig“ zu machen. Entscheidend sei die Versorgungssicherheit, und die erreiche man am besten durch enge Zusammenarbeit: „Interdependence“ statt „Independence“.

Was die Ölproduzenten und ihren Kunden gleichermaßen umtreibt, ist die Angst vor weiterer Preisvolatilität. Das jüngste Jojospiel des Ölpreises sei durch physisches Hedging nicht mehr aufzufangen, klagt Liveris, seit 2002 habe sich die Ölrechnung seines Konzerns vervierfacht, die große Unsicherheit gefährde Investitionen.

In diese Klage stimmt dann auch der Aramco-Chef ein: Das steile Auf und Ab der Preise schade allen Beteiligten. Und damit niemand auf die Idee kommt, das Öl könne noch einmal richtig billig werden, verweist er auf die Kostensteigerungen, unter denen auch sein Land zu leiden habe. Die Kosten für die Förderung eines Barrels hätten sich in den vergangenen Jahren um den Faktor sechs bis sieben erhöht.

Das Öl geht also noch lange nicht aus, aber es wird kontinuierlich teurer – zumindest, wenn es nach den Saudis geht.

 

Von Christian Schütte

Schlagwörter: ,

Auftakt in Davos

27. Januar 2010 Kommentare aus

„Vorsichtiger Optimismus“ war angesagt, als Mittwochfrüh zum Auftakt in Davos über die weltwirtschaftlichen Aussichten diskutiert wurde. Das Schlimmste ist überstanden, aber viele dunkle Wolken bleiben – erst recht wenn man den Panelisten Nouriel Roubini fragt.

 

*

 

Wie ein Schock kam deshalb die erste Wortmeldung aus dem Auditorium: „Es ist mir ja unangenehm das zu sagen“, bekannte ein Venture Capitalist aus Silicon Valley. Aber: „Mir geht es richtig, richtig gut.“

 

Noch nie in seiner langen Karriere habe er derart viele Kerninnovationen in der Pipeline gesehen. Die Zahlen für das letzte Jahr seien nicht bloß gut gewesen – „die sind durchs Dach gegangen“. Und überhaupt gehe es ja längst nicht mehr nur um Silicon Valley, sondern auch um Israel, China, Indien…Fazit: “In puncto Innovationen war die Zukunft der Welt noch niemals glänzender.“

 

Die schlechte Nachricht folgte allerdings auf dem Fuße. „Es fehlen die qualifizierten Leute, die die neuen Jobs besetzen könnten.“ Und man täusche sich über die Aussichten für den Arbeitsmarkt nicht: „China wird der größte Produzent von Solarpaneln, und mit den  Jobs, bei denen die Panel aufs Dach geschraubt werden, wird niemand 50 oder 70 Dollar die Stunde verdienen können“.

 

Da war die Stimmung im Saal dann gleich wieder zurück beim „vorsichtigen Optimismus“.

Von Christian Schütte

Schlagwörter: ,

Diskussionrunde in Davos: „Rebuilding Economics“

27. Januar 2010 Kommentare aus
Dass ihre Wissenschaft in der Krise steckt, haben die meisten Ökonomen nach dem großen Finanzcrash selbst schon erkannt. Einige der prominentesten Querdenker trafen sich in Davos am Mittwoch zu einer Diskussion über den Neuaufbau ihrer Disziplin: „Rebuilding Economics“: Edmund Phelps, Robert Shiller, Richard Thaler, der junge Chinese David Li Daoki sowie der Investor George Soros.

Weiterlesen …

Schlagwörter: ,

Davos 09 – Nachgereicht: Stiglitz im O-Ton

7. Februar 2009 Kommentare aus

Hier ist ein kleiner Podcast mit der Einschätzung von Nobelpreisträger Joe Stiglitz zum US-Konjunkturprogramm. Hier.

Schlagwörter: ,

Davos 09: Was hängen bleibt – Resumee in Zitaten

2. Februar 2009 Kommentare aus

Wenn 2500 Leute vier Tage lang reden, ist das nicht leicht auf einen Punkt zu bringen. Ein paar Standardsätze mit enorm hohem Konsenspotenzial (und großteils überraschendem Inhalt) gab es in Davos 2009 aber trotzdem. Und es gab außergewöhnliche Sätze, die hängen bleiben. Das Wichtigste hier im Überblick.

Weiterlesen …

Schlagwörter: ,

Davos 09 – Joe Stiglitz über Obamas Konjunkturpaket

2. Februar 2009 Kommentare aus

Hier ist, was Joseph Stiglitz über das Stimulus package sagt, das die US-Regierung vergangene Woche auf den Weg gebracht hat. Weiterlesen …

Schlagwörter: ,

Davos 09 – Lord Stern über Klima- und Konjunkturpolitik

1. Februar 2009 Kommentare aus

In Davos war nichts so wichtig wie die Finanzkrise – anders als vergangenes Jahr, als die Klimakatastrophe das Topthema war. Über den vermeintlichen Prioritätenwechsel sprach ich mit dem britischen Klimaökonomen Nicholas Stern. Der fordert einen Mix aus Konjunktur- und Klimapolitik. In der jetzigen Krise dürften Wirtschaft- und Umweltbelange nicht gegeneinander ausgespielt werden. Weiterlesen …

Schlagwörter: ,

Davos 09 – Nouriel Roubini über gefragte Orakel

1. Februar 2009 Kommentare aus

Es dürfte in Davos 2009 keine Session mit Beteiligung von Nouriel Roubini gegeben haben, die nicht ausgebucht war. Ein Gespräch mit dem gefragten Krisenpropheten.

Weiterlesen …

Schlagwörter: ,

Davos 09 – Joe Stiglitz über die kriselnden Ökonomen

1. Februar 2009 Kommentare aus

Gestern Morgen traf ich Joseph Stiglitz mit Frau Anya beim Frühstück in seinem Hotel. Beim Gespräch über die aktuelle Krise geriet der Nobelpreisträger arg in Fahrt – als es um die Kollegenschaft ging. Lesen Sie’s im Originalzitat.

Weiterlesen …

Schlagwörter: ,

Davos 09 – Stephen Roach über die US-Rezession und Chinas Abhängigkeit

31. Januar 2009 Kommentare aus

Der Asien-Chef von Morgan Stanley sieht Chancen auf eine Stabilisierung der US-Konjunktur im zweiten Halbjahr – vorläufig. Hier ist unser Gespräch im Wortlaut.

Weiterlesen …

Schlagwörter: ,

Davos 09 – Rechnen mit Frau Merkel

30. Januar 2009 Kommentare aus

Die Bundeskanzlerin hat sich bei ihrer Special Address in Davos eben alle Mühe gegeben, den Beitrag der Deutschen zur Behebung der Rezession nicht allzu klein erscheinen zu lassen. Tricky.

Weiterlesen …

Schlagwörter: ,

Davos 09 – Gespräch mit Psycho-Papst Kahneman zur Finanzkrise

30. Januar 2009 Kommentare aus

Gestern Abend habe ich den großartigen Psychologen und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman getroffen. Wer hätte besser auf eine ganz dringliche Frage antworten können: Wie kann es sein, dass in Davos plötzlich so viele Leute rumlaufen, die irgendwie den Eindruck vermitteln oder ausdrücklich behaupten, sie hätten Finanzkrise und Rezession schon immer kommen sehen? Weiterlesen …

Schlagwörter: ,

Kolumne aus Davos: Wir sind die Krise – holt uns hier raus

30. Januar 2009 Kommentare aus

In Davos gehört es dieses Jahr zum Standardrepertoire, mit viel Verve gemeinsame globale Lösungen gegen die globale Rezession anzumahnen. Nur welche? Eine Frage, die bald auch die Deutschen einholen dürfte.

Weiterlesen …

Schlagwörter: ,

Davos 09 – Kleines Antidepressivum zwischendurch

29. Januar 2009 Kommentare aus

Für alle, die bei Roubini, Roach, Fergusson und anderen düsteren Propheten waren (oder davon gelesen haben):

Der Zauberberg.

Schlagwörter: ,

Davos 09 – Run aufs Desaster

29. Januar 2009 Kommentare aus

Gestern Abend gab es die mit Abstand wahrscheinlich gefragteste und mit Sicherheit zugleich düsterste Veranstaltung in Davos 2009. Gefragt, weil es bei dieser Dinner-Session darum ging, noch mal zu überlegen, was da in den 36 Stunden rund um die Pleite von Lehman Brothers im vergangenen September eigentlich passiert ist. Und düster, weil wahrscheinlich noch nie so viele Absturzpropheten auf einmal in einem relativ kleinen Raum versammelt waren.

Weiterlesen …

Schlagwörter: ,