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Posts Tagged ‘Global Economic Symposium’

Global Economic Symposium – Lektionen aus den Industrieländern in Sachen Wachstum

4. September 2008 Kommentare aus

Edward Lazear, der Vorsitzende des Council of Economic Advisors, der den US-Präsidenten in wirtschaftlichen Fragen berät, hat die gängigen Erklärungen parat, weshalb einige Industrieländer ein höheres Wirtschaftswachstum erreichen als andere. Lesen Sie hier, was Lazear sagte. Und eine Erwiderung von Bruno Frey, Professor an der Uni Zürich.Lazear beginnt seinen Vortrag mit einem empirischen Vergleich. In den vergangenen zehn Jahren wuchsen die Volkswirtschaften von Kanada, Großbritannien und den USA im Schnitt mindestens 2,7% pro Jahr. Das war wesentlich mehr als in anderen G7-Ländern, etwa in Deutschland oder Japan. Die Gründe dafür hat Lazear, der auch Professor an der Uni Stanford ist, schnell benannt: flexible Arbeits- und Kapitalmärkte sowie niedrigere Steuern. „Jede Art von Kündigungsschutz hemmt die Flexibilität der Unternehmen, sich an neue Gegebenheiten anzupassen“, sagt er. In Deutschland hören das viele nicht gern, denn die Menschen sind angesichts der rasanten Veränderungen in der Welt der Wirtschaft ohnehin verunsichert. Auch der internationale Handel unterstütze das Wachstum, so Lazear. „Ohne Nettoexporte würde es zum Beispiel gerade kein Wachstum in den USA geben.“ Anschließend hielt er ein Plädoyer für den Freihandel.

In der folgenden Diskussion verwies Bruno Frey, Professor an der Uni Zürich, auf die Forschungen der Glücksökonomie. Diese zeigten, dass die Skandinavier oder Schweizer glücklicher seien als die US-Bürger. „Könnte das an der hohen Flexibilität liegen, die die Amerikaner haben müssen?“, fragte Frey. Die Antwort von Lazear: „Das kann gut sein.“

Von Ulrike Heike Müller

Die Arbeit in Plön hat begonnen

4. September 2008 Kommentare aus

Die ersten parallelen Panel-Sitzungen auf dem Global Economic Symposium in Plön sind gerade gelaufen. Hier ein kurzer Einblick in die Sitzung „Energie versus Klimawandel“.
Einig sind sich die Experten auf dem Podium, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht ist. Für die Existenz des Treibhauseffektes gebe es ausreichend wissenschaftliche Belege. Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Einig sind die Experten auch, dass die Menschheit bereits über die notwendigen Technologien verfügt, um den Ausstoß von Kohlendioxid massiv zu reduzieren. Doch sie streiten, ob dabei verstärkt auf Energieeffizienz gesetzt werden soll oder auf erneuerbare Energien, vor allem Solarenergie. „Nur 0,2 Prozent der Wüstengebiete könnten die gesamte Welt mit Energie versorgen“, sagt ein Wissenschaftler. Die Ausführungen, welche institutionellen Änderungen notwendig sind, um den Wandel voranzutreiben, bleiben vage. Dafür plädieren sie für mehr staatliche Investitionen in Forschung und Entwicklung, vor allem aber von privater Seite. Der Finanzbedarf sei für die öffentliche Hand allein zu hoch. Ein Beispiel: Um bis zum Jahr 2050 rund 15 Prozent des Energiebedarfs in Europa durch Sonnenenergie zu decken, die in nordafrikanischen Kraftwerken erzeugt wird, sind Investitionen von etwa 400 Mrd. € notwendig. Bemerkenswert, dass kein Experte für die Nutzung oder gar den Ausbau von Atomenergie plädierte. Auf Nachfrage aus dem Publikum begründete ein Experte dies so: Die Technologie sei nicht sicher genug, und für die Entsorgung des radioaktiven Mülls gebe es keine befriedigende Lösung.
Fünf Minuten nach Beginn der Sitzung betrat Peter Harry Carstensen, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, den Saal und verfolgte das Panel bis zum Schluss.

Von Ulrike Heike Müller

Hoher Anspruch – Lösungen für die globalen Probleme aus der schleswig-holsteinischen Provinz

3. September 2008 Kommentare aus

Auf dem Global Economic Symposium, ausgerichtet vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), geht es nicht nur ums Diskutieren wie sonst üblich bei ähnlichen Treffen von Politikern und Wissenschaftlern. Das IfW hat die Meßlatte höher gelegt. Lesen Sie weiter erste Eindrücke aus Plön und über die Eröffnungsveranstaltung.
Das Global Economic Symposium (GES) ist ein Ereignis im kleinen Städtchen Plön, gelegen auf dem Land zwischen Lübeck und Kiel. Der Taxifahrer, der mich und zwei weitere GES-Teilnehmer vom Bahnhof zum Schloss fährt, in dem das Treffen stattfindet, reckt mir die hiesige Regionalzeitung entgegen; den „Ostholsteiner Anzeiger“. Der titelt am Mittwoch auf der ersten Seite: „Gipfeltreffen in Plön für globale Lösungen“. Und berichtet weiter: „Plön rückt heute für drei Tage ins Blickfeld der internationalen Öffentlichkeit.“

Tatsächlich soll hier im Schloss Plön vom 3. bis 5. September über zentrale Menschheitsfragen der Zukunft gesprochen werden; von der Beseitigung des Hungers über Gesundheitsversorgung für alle bis hin zu einer sicheren Energieversorgung.

Eine illustre Gesellschaft hat sich im weißen Schloss hoch über dem Plöner See versammelt. Insgesamt 300 Politiker, Wissenschaftler (darunter Wirtschaftsnobelpreisträger wie George Akerlof, Edmund Phelps und Robert Mundell), Unternehmer und Journalisten kommen in dem Bauwerk aus dem 30-jährigen Krieg zusammen, das im Stil von Renaissance und Barock erbaut wurde und seit einigen Jahren wieder im alten Glanz erstrahlt. Bei der Eröffnungsveranstaltung reichen die etwa 80 Sitzplätze im prunkvollen Saal nicht aus, Anzugträger stehen in den Fensternischen und im hinteren Teil des Saales. Dennis Snower, der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und Initiator der Veranstaltung, begrüßt die Gäste in englischer Sprache. Einen Extra-Gruß hat er für Altbundeskanzler Helmut Schmidt übrig, der als Ehrengast in der ersten Reihe sitzt. Anschließend spielen vier junge Frauen und ein Mann – sie gehören zum Schleswig-Holstein Music Festival Orchestra – ziemlich avantgardistische Musik auf Blasinstrumenten. Flöte,  Fagott, Oboe, Horn.

Günther Fielmann, der Optikerketten-Eigentümer und Schloss-Hausherr, erzählt die Geschichte dieses Ortes. Und dann sagt er: „Die Menschen wünschen sich fundierte Antworten auf die Herausforderungen dieser Zeit.“ Er hoffe, diese Antworten können die Anwesenden in den kommenden Tagen geben. Zuversichtlich gibt sich auch Peter Harry Carstensen, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein: „Das Global Economic Symposium will ein Leuchtturm sein, der Orientierung gibt.“

Konkreter wird dann Snower. Er malt in fulminanten Worten den Widerspruch zwischen der Integration der weltweiten Wirtschaft und der fortschreitenden Fragmentierung der Weltgesellschaft. Und diagnostiziert eine „globale Sklerose“: Darunter versteht er die derzeitige Unfähigkeit der Menschen, globale Probleme zu lösen, etwa den Klimawandel oder die Armut. „Weltweite Zusammenarbeit ist absolut notwendig“, lautet sein Rezept. Nun gehe es darum, das Zeitalter der Globalisierung mit der Ära der globalen Kooperation zu vollenden. „Das Global Economic Symposium will neue Wege der weltweiten Zusammenarbeit finden“, hofft er. Und formuliert seinen Anspruch an die kommenden Tage so: „Die unterschiedlichen Panel-Sitzungen sind keine Diskussionsforen, sie sind Lösungsforen.“

Auch die Teilnehmer haben ihre Erwartungen an das GES. „Wichtig ist, dass über die Probleme gesprochen wird“, sagt eine Frau nach der Eröffnungsveranstaltung. „Ob sich was ändert, kann man vorher nicht sagen. Aber wir müssen es probieren.“

Von Ulrike Heike Müller