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Posts Tagged ‘Jahrestagung’

Im Supermarkt für Glaubwürdigkeit

26. September 2008 Kommentare aus

Länder, die bei Ratings schlecht abscheiden, können sich Glaubwürdigkeit „erkaufen“, indem sie Mitglied bei internationalen Institutionen werden. Das haben Forscher aus der Schweiz herausgefunden.

World Trade Organization (WTO), International Court of Justice (ICJ) oder Court for Settlement of Investment Disputes – das Angebot von internationalen Organisationen ist groß. Und es ist ein gutes Angebot, besonders für Länder, deren Institutionen als schlecht gelten. Denn schlechte Institutionen bedeuten häufig, dass sich Investoren nicht darauf verlassen können, dass die Gesetze in dem Land eingehalten werden. Die Glaubwürdigkeit des Landes ist niedrig, die Ratings sind schlecht. Das schreckt Investoren ab. 

In ihrer Studie finden Axel Dreher und Stefan Voigt nun, dass gerade Länder mit schlechten Institutionen, ihre Glaubwürdigkeit steigern können, indem sie Mitglied bei internationalen Organisationen werden. Je länger sie Mitglied sind, desto besser fällt das Rating der einzelnen Länder aus.

„China konnte beispielsweise seine Glaubwürdigkeit steigern, seitdem es WTO-Mitglied ist“, sagte Axel Dreher. Denn nun hielten Investoren die Versprechungen der Regierung für glaubwürdiger. Jetzt würde das Land ja zusätzlich den Regeln der WTO unterstehen.

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler Daten aus 120 Ländern von 1982 bis 2004 ausgewertet. Die Glaubwürdigkeit haben sie anhand des Länder-Risikoratings von Euromoney gemessen. Die Qualität der Institutionen zeigte ein „Law and Order“-Indikator, der die Wahrnehmung der Rechtssicherheit von Länderexperten widerspiegelt.

Für OECD-Länder ließ sich der Zusammenhang zwischen Glaubwürdigkeit und Mitgliedschaft in internationalen Organisationen allerdings nicht nachweisen. Denn je höher die Qualität der eigenen Institutionen ist, desto geringer fällt der Effekt einer weiteren Mitgliedschaft auf die Glaubwürdigkeit aus.

Bis zu einer bestimmten „Glaubwürdigkeits-Schwelle“ können Länder also die Reform ihrer eigenen Institutionen durch die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen ersetzen.

Hier finden Sie die Studie

Von Charlotte Bartels

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Axel Ockenfels will Rachefeedback bei Ebay bekämpfen

25. September 2008 Kommentare aus

Der Kölner Professor Axel Ockenfels hat mit seinen Experimenten herausgefunden, wie man Rachefeedback auf Ebay reduzieren kann. Keiner kann mit dem neuen System einen User bestrafen, der einen Verkäufer zum Beispiel nach der wahren Qualität der Lieferung usw. bewertet.

Mit seinen Versuchen hat Ockenfels herausgefunden, wie sich bei der Onlineplattform Ebay ein besseres Bewertungssystem einrichten lässt. Das alte System ermöglichte es, den Käufern und den Verkäufern sich gegenseitig sofort zu bewerten. Es habe eigentlich ganz gut funktioniert, sagte Ockenfels in seinem Vortrag. Gut 70 Prozent aller User gaben nach ihrem Einkauf ein Feedback ab.

Dass Problem dabei: Wer einen Verkäufer negativ bewertet, riskierte selber, negativ bewertet zu werden. Ein typisches Rachefeedback. Im Resultat dürfte es zu viel positives Feedback bei Ebay gegeben haben, sagte Ockenfels. Die wahren Mängel der Verkäufer könnten so verdeckt worden sein.

Dadurch sind in einem hochsensiblen Kern der Auktionsplattform möglicherweise Verzerrungen aufgetreten. Denn das Bewertungssystem ist doch der erste Anhaltpunkt für User, die das erste Mal bei einem Verkäufer etwas erstehen wollen.

Als Lösung würde sich anbieten, die Bewertung ohne das Wissen des Anderen laufen lassen. Für eine gewisse Zeit, vielleicht zwei Wochen nach dem Kauf, hätte jeder Nutzer die Möglichkeit, den Verkäufer zu bewerten, ohne dass der andere es sofort erfährt. Der Verkäufer hätte so auch keine Möglichkeit mehr für eine Rache. Diese Variante würde jedoch die Zahl der Bewertungen drastisch senken, hat Ockenfels herausgefunden.

Eine bessere Möglichkeit sei, so hat sich in den Versuchen herausgestellt, dass man dem herkömmlichen Bewertungssystem ein anonymes hinzufügt. Also dass es weiterhin eine Gesamtbewertung wie bisher gibt, die nach positivem, neutralem und negativem Feedback unterscheidet. Zusätzlich kommen ein paar Detailfragen hinzu, zum Beispiel ob die Qualität des Produkts tatsächlich so war wie in der Beschreibung angegeben. Doch diese Antworten erfährt der andere nicht.

Versuche hätten wiederum ergeben, dass die User in ihren öffentlichen Bewertungen deutlich freundlicher sind, als in den anonymen, in denen sie eher ihre wahre Meinung mitteilten. Gleichzeitig würde aber die Zahl der Bewertungen nicht zurückgehen.

So demonstrierte Ockenfels, wie experimentelle Ökonomie bei der Ausgestaltung von Märkten im alltäglichen Leben einen praktischen Beitrag leisten kann.

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Angst vor Outsourcing

25. September 2008 Kommentare aus

Herr Müller, ihren Job macht ab morgen Herr Kanbur in Indien. Outgesourct. Job ins Ausland verlagert. Zurück lassen die Unternehmen Angst. Angst, dass der eigene Job bald von einem Ausländer gemacht wird. Wie sich Outsourcing auf die Angst vor dem Jobverlust auswirkt, hat Ingo Geishecker von der Uni Göttingen untersucht. Wer sich am meisten um seinen Arbeitsplatz sorgt, erfahren sie hier.

Mit den Daten des deutschen sozio-ökonomischen Panels (GSOEP) hat Ingo Geishecker herausgefunden, dass rund ein Fünftel der Jobverlustangst durch Outsourcing entsteht. Diese Angst habe in den letzten Jahren zugenommen.

Niedriglohnländer

Wenn die Unternehmen die Jobs in Niedriglohnländer verlagern, erzeuge das mehr Angst, als wenn die Verlagerung in Hochlohnländer stattfinden würde.

Hochqualifizierte

Hochqualifizierte fürchteten sich mehr vor dem Outsourcing als Niedrigqualifizierte. Das könne daran liegen, dass sie besser informiert seien und mehr zu verlieren haben, so Geishecker.

Eheleute

Männer, die verheiratet sind, machen sich größere Sorgen als Unverheiratete. Wenn der Partner auch einen Arbeitsplatz hat, machen sich Männer wie Frauen weniger Gedanken.

Befristete Verträge

Outsourcing plus befristeter Vertrag ist keine gute Mischung, sondern bedeutet mehr Angst als bei einem unbefristeten Vertrag.

Aus der Angst vor Outsourcing kann schnell Angst vor der Globalisierung werden, warnt Ingo Geishecker. In den USA sei dies bereits erkennbar: Es gebe dort immer mehr Initiativen, die sich für protektionistische Maßnahmen gegen die Globalisierung einsetzten. 

Hier geht es zur Studie

Von Charlotte Bartels

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Ernst Fehr: Geldillusion neurowissenschaftlich nachgewiesen

25. September 2008 Kommentare aus

Ernst Fehr, Professor aus Zürich, hat schon vor Jahren in Experimenten gezeigt, dass Menschen sich eher an nominalen Löhnen oder Preisen orientieren als an realen, also den inflationsbereinigten. Diese Geldillusion kann Blasen an Finanzmärkten, Immobilienmärkten aber auch die negativen Folgen einer zu restriktiven Geldpolitik erklären. In Graz zitierte Fehr nun eine Studie, die die alte Vorstellung von Keynes sogar neurowissenschaftlich bewiesen haben will.

So hat Fehr in seinen Experimenten zusammen mit Jean-Robert Tyran bestätigt, dass sich Preisanpassungen nach unten in einer Volkswirtschaft meist sehr langsam vollziehen. Nach oben geht das jedoch rasend schnell.

Vereinfacht ausgedrückt: Wenn eine Zentralbank die Geldmenge durch Zinserhöhungen einschränken will, um so die Inflation unter Kontrolle zu halten, müssten sich auch die realen Preise und Löhne einer Volkswirtschaft anpassen und zwar nach unten. Nur passiert dies in Regel sehr, sehr langsam, wie Fehr und Tyran in ihren Versuchen gezeigt haben.

Das sei damit zu erklären, dass sich die Individuen lieber an nominalen Größen orientieren, als an realen. Wie Umfragen gezeigt hätten, würde Arbeitnehmer eher einen Lohnanstieg um 2 Prozent akzeptieren bei einer Inflationsrate von 4 Prozent, als dass sie eine Lohnsenkung von 2 Prozent bei einer Teuerung von 0 Prozent gut heißen würden. Nominal haben sie das eine Mal ein Plus, das andere Mal ein Minus. Real sind die Effekte jedoch gleich: minus 2 Prozent.

Selbst wenn die Mehrheit der Wirtschaftssubjekte sich an realen Größen orientiere: Es reicht schon eine Minderheit, die der Geldillusion unterliegt. Denn diese habe große Wirkung auf die Gesamtheit der Individuen. Wenn nur wenige mit ihren Preisen und Löhnen nicht herunter gehen wollen, passten sich auch die rationalsten Individuen an dieses Verhalten an.

Das Resultat der Studien: Eine zu lockere Geldpolitik habe nur geringe negative Folgen. Eine zu restriktive jedoch verursucht enormen volkswirtschaftlichen Schaden. Besser kann man die unterschiedlichen Auffassungen bei den Währungshütern von EZB und der amerikanischen Fed gar nicht erklären. Während die Europäer mitten in der Krise ihre Zinsen anhoben und damit nach Auffassung nicht weniger Ökonomen den Abschwung in der Euro-Zone verstärkten,
lockerten die Amerikaner nach Ausbruch der Finanzkrise ihre Geldpolitik sehr drastisch.

Dabei wollte Fehr vor gut sieben Jahren eigentlich nachweisen, dass es gar keine Geldillusion bei den Wirtschaftssubjekten gibt, wie er in seinem Vortrag erklärte. Dies sei ja die seit den 70er Jahren die  vorherrschende Vorstellung unter den akademischen Volkswirten gewesen. Die alte intuitive Annahme von Keynes, die noch in den 50er und 60er Jahren viele Ökonomen vertraten, hatte mit dem Vordringen der Theorien rationaler Erwartungen rapide an Einfluss verloren. Im Resultat, sagte die neue Richtung Anfang der 70er Jahre, dass die Geldpolitik keinen Einfluss auf reale volkswirtschaftliche Größen hat.

Nun sagen die Forschungsergebnisse von Fehr und anderen zwar nicht, dass eine expansive Politik einen Abschwung verhindern kann. Jedoch bestätigen die Experimente immerhin die negativen Folgen einer zu restriktiven Zinspolitik. Eine noch nicht veröffentlichte Studie habe zudem gezeigt, dass das Festhalten an nominalen Größen, sogar neurowissenschaftlich bestätigt wurde. In einem demnächst zu veröffentlichenden Paper seien die Ergebnisse zu finden: „Nominal Illusion is Real: The brain reward’s circuitry is sensitive to nominal change“ von Bernd Weber, Antonio Rangel and Matthias Wibral und Armin Falk – dem diesjährigen Gossen-Preisträger.

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Von dicken Katzen auf blauen Bananen

25. September 2008 Kommentare aus

Dicke Katzen – das sind die Länder mit hohen Steuereinnahmen aus ihren großen Industrieunternehmen. Man findet sie zum Beispiel in Westeuropa. Dünne Katzen wohnen in Osteuropa. Dort gibt es noch wenig Industrieunternehmen, die Steuerfutter abwerfen. Wohin der Steuerwettbewerb zwischen dicken und dünnen Katzen führen wird, erklärt Professor Kai Konrad vom Wissenschaftszentrum Berlin.

Bis jetzt siedeln die großen Industrieunternehmen noch in Westeuropa. Von Manchester über London, die Benelux-Staaten, das Ruhrgebiet, das Rhein-Neckar-Gebiet bis nach Mailand – wenn man die Industriegebiete miteinander verbindet, sieht das aus wie eine Banane. Aber die osteuropäischen Länder schlafen nicht und haben längst ihre Steuern gesenkt um neue Investitionen anzulocken.

Die dicken Katzen, die Industrieländer Westeuropas, haben hohe Steuereinnahmen aus den Industrieunternehmen, die seit Jahrzehnten in ihrem Land produzieren. Damit die Industrieunternehmen nicht ins billige Osteuropa abwandern, müssten sie ebenfalls ihre Steuern senken. Aber mit Steuersenkungen schaden die Länder sich selbst, weil sie damit ihre Einnahmen aus den alten Unternehmen reduzieren. Dicke Katzen haben also einen strategischen Nachteil im Steuerwettbewerb gegenüber den dünnen Katzen. Die dicke Katze kann sich nur schwer bewegen, weil sie so viel Masse hat.

Letztendlich werden aber beide, dicke und dünne Katzen, ihre Steuern stark senken, schlussfolgert Konrad aus seinem Modell. Das Steueraufkommen wird massiv sinken. Schließlich wird der Wettbewerb um neue Direktinvestitionen nur noch darüber betrieben, wieviele Subventionen den neu investierenden Unternehmen gewährt werden. Weil die dicken Katzen mehr Geld haben, werden die Industrieunternehmen da bleiben, wo sie sind, sagt das Modell voraus.

Das Paper lesen Sie hier

Von Charlotte Bartels

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Der Klima-Club

25. September 2008 Kommentare aus

Was kommt nach dem Kyoto-Protokoll? Züricher Forscher haben sich ein „Globales Rückerstattungssystem“ ausgedacht. Die Länder müssen eine Beitrittsgebühr zahlen und kriegen dann Geld zurück für die Einsparung von Treibhausgasen. Wie diese Art „Klima-Club“ genau funktionieren soll, lesen sie hier. 

Wie kriegen wir die Länder dieser Welt dazu, dauerhaft ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren? Ralph Winkler und Hans Gersbach von der ETH Zürich wollen das ein bißchen so machen wie ein Besitzer eines teuren Nachtclubs. Man fordere eine so hohe Eintrittsgebühr, dass die Leute die ganze Nacht im Club bleiben, um möglichst viel vom teuren Eintritt zu haben. Denn die Gebühr gibts nicht zurück beim Verlassen des Clubs.

So wollen auch die Züricher Forscher die Länder an den Klima-Club, das „Globales Rückerstattungssystem“, binden. Die Länder zahlen beim Beitritt eine hohe Summe in den Fond ein. In jeder neuen Periode legt der Fond einen Anteil fest, der an die Länder ausgeschüttet wird. Je nachdem, wieviel Treibhausgase die einzelnen Länder eingespart haben, kriegen sie etwas von der Auschüttung ab.

Die Eintrittsgebühr muss ausreichend hoch sein, damit keiner wieder austritt, so Ralph Winkler. Aber da gibt es auch schon das erste Problem: einige Entwicklungsländer werden sich die hohe Eintrittsgebühr nicht leisten können und so außen vor bleiben.

Ein weiteres Problem findet sich in der Literatur der Spieltheorie: Demnach kommen Koalitionen zwischen mehr als vier Teilnehmern gar nicht erst zustande. „Free-Riding“, also alleine zu handeln, sei bei mehr als vier Ländern immer besser, als einem Abkommen beizutreten.

Das System der Züricher Forscher hindert die Länder vielleicht daran, wieder auszutreten und sorgt so für ein dauerhaftes Engagement gegen den Klimawandel. Aber ob die Länder überhaupt eintreten? Ralph Winkler hofft auf eine Vorbildfunktion beispielsweise der EU. „Wenn die erstmal anfängt, dann kommen die anderen Länder vielleicht nach und nach dazu.“

Das Paper finden Sie hier

Von Charlotte Bartels

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Ein Treffen von Sozialpolitikern in Graz?

25. September 2008 Kommentare aus

Der Name der Vereinigung mag es nahe legen, dass sich hier Sozialpolitiker zu ihrer jährlichen Tagung treffen. Zwei österreichische Politiker nahmen das jedoch zu wörtlich und riefen auch noch dazu auf, das Kreuz am Sonntag bei der richtigen Partei zu machen.

Der Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, Friedrich Schneider, konnte sich am Ende der Politikerreden auf dem Empfang der Stadt Graz und des Landes Steiermark doch nicht mehr zurückhalten. „Wir machen nicht nur Sozialpolitik“, sagte er den beiden prominenten Politikern. Der Bürgermeister hatte seinen Stellvertreter geschickt und der Vize-Landeshauptmann war auch erschienen.

Der eine betonte, was es für eine Ehre für ihn sei, dass er als jemand, der aus der Sozialpolitik komme, die Teilnehmer der Tagung begrüßen dürfe. Der andere lobte die Früchte der Sozialstaates, und dass der Zusammenhalt  der Gesellschaft nur durch ihn garantiert sei. Und damit das so bleibt, sollten doch die Herrschaften bitte ihr Kreuz am Sonntag bei der Wahl in Österreich auch bei der richtigen Partei machen.

„Wir sind die Vereinigung der Ökonomen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz“, klärte Schneider dann die Politiker auf. Die Volkswirte, die meisten kommen aus Deutschland, schauten sich nur amüsiert an, bevor das Büffet dann endlich eröffnet wurde. Es ist übrigens nicht bekannt, ob einige Ökonomen beim Essen sich auch über die Niedriglohnmodelle des diesjährigen Stolper-Preisträgers unterhielten.

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