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Posts Tagged ‘Kolumne’

Die Kolumne – Mit Hilfspersonal durch die Krise

16. September 2011 Kommentare aus

Unsere Stabilitätsvertreter klagen über schwindenden Einfluss in Euroland. Dabei gilt: Wer beeinflussen will, braucht Leute, die überzeugen. Da haben die Deutschen offenbar ein Defizit.

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Die Kolumne – Rache ist teuer

9. September 2011 Kommentare aus

Entgegen allen Legenden haben die Anschläge von 2001 der US-Wirtschaft kaum wirklich geschadet. Dafür haben erst Bushs Vergeltungskriege gesorgt – und Banken, die kollabieren. Ganz ohne Terroreinfluss.

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Wir sind die Krise

2. September 2011 Kommentare aus

Euroland steht vor einem politökonomisch heißen September, in dem deutsche Richter und Politiker viel retten und verspielen können. Höchste Zeit für ein paar Aufklärungsversuche.

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Die Kolumne – Für eine Ordnungspolitik 3.0

26. August 2011 Kommentare aus

Deutsche Denker fallen in der Krise vor allem als Neinsager auf: Nein zu Hilfen, Noteingriffen, Eurobonds, allem. Das kaschiert, dass vielen selbst das Rezept gegen so eine Finanzkrise fehlt.

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Die Kolumne – Im Urlaub für die Krise üben

29. Juli 2011 Kommentare aus

Seit zwei Jahren arbeiten wir daran, dem leichtlebigen Rest der Welt deutsche Tugenden nahezulegen. Höchste Zeit, dass wir uns in den Ferien ein wenig Lässigkeit abschauen.

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Die Kolumne – Und am Ende rettet die Notenbank

22. Juli 2011 Kommentare aus

Trotz aller Gipfelbeschlüsse droht die nächste Eskalation der Merkel-Krise – bis Europas Währungshüter als letzte Instanz die absurde Marktpanik (endlich) stoppen.

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Die Kolumne – Wo die FDP mal recht hat*

1. Juli 2011 Kommentare aus

Der ewige Liberalenruf nach sinkenden Steuern klingt platt. Noch platter ist die Ritualkritik daran. Zur Entlastung fehlen weder Geld noch gute Gründe. Nur schlau muss sie sein.

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Die Kolumne – Rechnung an die Bank

24. Juni 2011 Kommentare aus

Die Kanzlerin hat in letzter Minute darauf verzichtet, Private für Griechenlands Drama zahlen zu lassen. Gut so. Es gibt subtilere Mittel, Geldinstitute am Schuldenabbau zu beteiligen.

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Die Kolumne – Stoppt die Ratingclowns!

17. Juni 2011 Kommentare aus

Ratingagenturen sind überflüssig, weil sie Wissen über Staaten vorgaukeln, das sie nicht haben. Weitaus gefährlicher aber sind jene deutschen Politiker, die ihnen blauäugig folgen.

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Die Kolumne – Was schert uns Amerika?

10. Juni 2011 Kommentare aus

Aus den Vereinigten Staaten mehren sich die konjunkturellen Schwächelsignale. Kein Grund zur Panik. Die US-Wirtschaft wird für die Weltkonjunktur immer unwichtiger.

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Die Kolumne – Was uns Griechen wirklich hilft

3. Juni 2011 Kommentare aus

Gegen Schuldenpanik nutzen weder Drohgebärden, noch immer neue Radikalkürzungen oder Schuldenschnitte. Die Krisenländer brauchen einen Plan, der sie aufbaut. Und uns auch.

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Die Kolumne – Ist der Grieche noch zu retten?

27. Mai 2011 Kommentare aus

Statt Pleitegerüchten braucht das Land ein Krisenmanagement, das den Notfallpatienten auffängt und aufpäppelt. Wie bei jedem Herzinfarkt. Erster Teil eines Alternativentwurfs.

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Die Kolumne – Der sündige Grieche rechnet sich

20. Mai 2011 Kommentare aus

Kurios, aber wahr: Wohl keiner verdient durch die Krise so viel Geld wie die Bundesregierung. Es ist Zeit, mit diesem Gewinn von rund 10 Mrd. Euro endlich die Zweifler zu beruhigen.

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Die Kolumne – Im Klub der hässlichen Deutschen

13. Mai 2011 Kommentare aus

Berlins Euro-Zeterer haben es salonfähig gemacht, andere Länder mal eben für marode zu erklären. Solch irrer Hochmut ist nicht nur unbeliebt, er wird auch ökonomisch teuer.

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Voodookampf um Schuldenschnitte

6. Mai 2011 Kommentare aus

Gegner und Drängler eines griechischen Teilbankrotts tun, als sei klar, ob und wie gut das Land seine Schulden in Zukunft zurückzahlen kann. Dabei weiß das kein Mensch.

Vor zwei Jahren wäre der Grieche froh gewesen, wenn sich Ökonomen mal für ihn interessiert hätten. Komisch. Jetzt wimmelt es nur so von Griechenland-Experten. Und bei Häppchen wird seit Monaten dahingeplaudert, dass der Grieche nun mal pleite und die Umschuldung klar sei. Basta.

Nun kann man nicht sagen, dass der Grieche immer solide gehaushaltet hat. Was erstaunt, ist die Gewissheit, mit der Griechen-Blitzexperten deklarieren, dass und wann sie pleite sind. Zumindest wenn man weiß, dass es für so was gar keinen klaren Maßstab gibt. Und die Sache im Kern daran hängt, ob man glaubt, dass jemand künftig (wieder) bereit ist, dem Staat sein Geld zu leihen. Was der nur tun wird, wenn er glaubt, dass die nicht pleitegehen. Viel Stoff für sich selbst erfüllende Häppchen.

Unvorhersehbares Kriterium

Im Grunde geht es darum, ob potenzielle Investoren glauben, dass sie ihr Geld nach Ende der Laufzeit einer Anleihe wiedersehen. Ob das Land in, sagen wir, zehn Jahren nicht pleite ist. Das hängt davon ab, wie sich dessen Staatsschulden entwickeln, was wiederum davon abhängt, wie in den zehn Jahren Zinsen, Wirtschaftswachstum und Staatsetats ausfallen. Mit Verlaub: Das weiß kein Mensch. Wenn es um mehr als maximal ein bis zwei Jahre geht, erreichen ökonomische Prognosen den Status reiner Szenariensetzerei. Motto: Kann so kommen; kann aber auch anders.

Bei genauerem Hinhören lavieren sich auch Umschuldungspropheten um das kleine Problem herum, die Zukunft nicht zu kennen, ebenso wenig wie die genaue Pleitegrenze. Da heißt es gern, dass Schulden nicht mehr tragfähig seien, wenn sie über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen und ständig steigen – was die Japaner seit Jahren trotzdem gut hinkriegen. Selbst nach der Jahrhundertkatastrophe. Ein Grund findet sich dann immer. Die Japaner hielten halt das Gros der Schulden selbst – als wäre es dann völlig egal, wie stark der Staat sich verschuldet. Die Finanzmärkte müssen halt nur dran glauben. Das erfüllt sich dann auch von selbst.

Nun könnte man sagen, dass die Zukunft für Griechenland gar nicht so gut werden kann, um den Schnitt noch abzuwenden. Mag sein. Nur ist auch das nicht so einfach, wie es Pleitefans mit ihren Endzeitprophezeiungen vermuten lassen.

Zurzeit müssten die Griechen in der Tat einen völlig astronomischen Haushaltsüberschuss vor Zinsen von 17 Prozent des eigenen Bruttoinlandsprodukts haben – bei einem seit Kurzem zu zahlenden Panikzins für Neuschulden von 15 Prozent und miesen Wachstumsannahmen von nominal noch 1,5 Prozent.

Die Erfahrung mit Schuldenkrisen lehrt nur, dass sich so eine Marktpanik auch ohne Umschuldung legen kann – wie kürzlich bei Ungarn und Ukrainern, sagt David Milleker von Union Investment. Dann könnten die panikartig und marktwidrig hochgetriebenen Zinsen ziemlich bald schon stark wieder fallen.

Ähnliches gilt umgekehrt fürs Wachstum. Derzeit lässt wenig auf Beschleunigung hoffen. Die Erfahrung lehrt aber, dass Prognostiker mitten in Krisen regelmäßig unterschätzen, wie schnell allein Nachholeffekte neues Wachstum bringen können – zumal wenn dann, sagen wir, der Ölpreis abstürzt wie 2008, der Tourismus Griechenland neu entdeckt oder die Euro-Konjunktur noch Jahre brummt. Wer weiß das schon.

Kleines Rechenspiel ohne prognostischen Anspruch: Sollten die Zinsen auf griechische Anleihen bei nachlassender Massenpanik auf normalere Krisenniveaus von sieben Prozent zurückgehen und die Wirtschaft nach der Rezession um (nominal immer noch bescheidene) drei statt 1,5 Prozent wachsen, bräuchten die Griechen jährlich noch einen Überschuss vor Zinsen von fünf Prozent. Was nicht mehr so utopisch ist. Das haben Belgier und Italiener über Jahre hingekriegt.

Würden die Zinsen sogar auf fünf Prozent fallen und die Wirtschaft um vier Prozent wachsen (was real im Zweifel gerade zwei Prozent entspricht), reichte ein Etatüberschuss von 1,5 Prozent. Immer noch anspruchsvoll, aber überhaupt kein Grund mehr, das Land in die gesicherte Pleite zu reden.

Kleiner Gegencheck: Wären in Deutschland die Zinsen plötzlich bei sieben und das Wachstum nominal nur noch bei 3,5 Prozent (was lange Norm war), bräuchte unser Finanzminister vor Zinsen auch drei Prozent Überschuss im Haushalt statt einem Minus von derzeit 0,2 Prozent. Da wären auch wir schnell Häppchenthema.
Das soll nicht heißen, dass die Griechen definitiv keine Umschuldung brauchen. Es zeigt nur, wie wenig gesichert auch das Gegenteil ist, aus realökonomisch prognostizierbarer Sicht. Und wie der Glaube zählt.

Wenn das Urteil zur Zahlungsfähigkeit in zehn Jahren zu einem gewichtigen Teil von unvorhersehbaren Dingen abhängt, ist es absurd, eine Pleite mit Sicherheit zu postulieren. Dann ist die Gefahr eine andere: Wenn alle zwei Tage beim Häppchen von der todsicheren griechischen Pleite geplappert wird, ist es nicht überraschend, dass es am Ende keinen mehr gibt, der griechische Staatsanleihen kauft. Dann gibt es die Kaffeesatzpleite. Wegen vermuteter künftiger Zahlungsunfähigkeit.
Politisch macht das einen großen Unterschied. Dann muss ein Land hinreichend überzeugend darlegen, warum es nicht pleitegeht. Und dann ist es für die Griechen ein Desaster, wenn, sagen wir, eifrige deutsche Professoren mal eben eine Pleite prophezeien, als könnten sie das messen.

Das erklärt auch, warum eine Regierung wie die griechische gar nichts anderes darf, als zu schwören, dass es keine Umschuldung gibt. So wie Euro-Zentralbank und EU-Kommission. Weil sich die Prophezeiung sonst selbst erfüllt. Wenn es umgekehrt klappt, das Pleitegerücht zu kontern, wie in den vergangenen Wochen im Fall Spanien, ohne dass es dafür erkennbaren Grund gab, gibt es auch keine Umschuldung: am Ende ein Psychospiel mit abstrusen Konsequenzen, selbst wenn es wie bei Griechenland stets reale Auslöser gab.

Wenn der Befund stimmt, ist der Ruf nach angeblich erlösender Umschuldung höchst gewagt. Wenn Pleiten vom Glauben in künftige Rückzahlfähigkeit abhängen, wird ein Schnitt nur Wunder wirken, wenn potenzielle Neukäufer der Staatsanleihen glauben, dass die Aktion als Befreiung wirkt. Dann wird es wieder Käufer geben. Und sinkende Zinsen. Und bessere Etataussichten.

Der Haken ist, dass es mindestens so viele Argumente für katastrophale Nebeneffekte gibt: von umschuldungsbedingt crashenden Banksystemen bis zu ungelösten griechischen Wettbewerbsproblemen. Da kann der Schnitt auch als Schwächesignal ankommen. Und die Finanzmärkte könnten am nächsten Tag fragen, ob nun nicht Portugal dran ist. Und Irland. Und Spanien. Und so weiter.

Kann sein, dass ein Schuldenschnitt gut geht. Die Frage ist nur, ob im umgekehrten Fall der Schaden eines neuen Finanzschocks nicht zu groß wäre, um das einfach mal auszuprobieren. Dann wäre es besser, auf immer neue Radikalkürzungen zu verzichten, das Wachstum erst mal zu stützen und über gesenkte Zinsen dazu beizutragen, dass die Griechen ihren Schuldenanstieg real stoppen. Dann braucht man gar kein gewagtes Einmalexperiment mehr.

E-Mail fricke.thomas@guj.de

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