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Posts Tagged ‘Konferenz’

Lindau: Tanzende Nobelpreisträger und die bunte Welt der Wirtschaft

25. August 2011 Kommentare aus

Während sich die Konferenzteilnehmer am frühen Abend von all den Vorlesungen, Diskussionsrunden und Gesprächen erholen, wird der große Konferenzraum für die Abendveranstaltung vorbreitet. Langen Stuhlreihen weichen langen Dinnertafeln und einer Tanzfläche, das Rednerpult auf der Bühne macht Platz für Musikequipment.

Gegen acht Uhr beginnt sich der Saal erneut zu füllen. Die Nobelpresiträger haben sich auf die Tische verteilt und die Studenten wählen ihre Abendgesellschaft. Bei leichter Jazzmusik genießen Preisträger und junge Ökonomen das Buffet und die Möglichkeit, sich in lockerer Atmosphäre auszutauschen.

Nach dem Essen gesellt sich eine Sängerin zur lokalen Band und die Musik wird tanzbarer. Erste Zögerlichkeiten sind bald überwunden, die Tanzfläche füllt sich und sogar die Nobelpreisträger lassen sich nicht lumpen. Man munkelt, es sei vielleicht der einzige Anlass, zu dem man sie tanzen sehen könne. Die ehrwürdigen Herren genießen es sichtlich, mit den Nachwuchstalenten in Kontakt zu kommen, beantworten gern deren Fragen und geben Autogramme. Die Stimmung ist ausgelassen. Einige Inder haben sich, trotz der eher westlichen Musik, für die typische Bollywood-Tanzweise entschieden und überzeugen nach und nach auch andere Tänzer von ihrem Stil.

Abseits der Tantfläche erzählen sich die Konferenzteilnehmer bunte Geschichten von den Wirtschaften ihrer Heimatländer: Ein Journalist aus Argentinien berichtet, dass in Zeiten der Staatspleite in einigen Städten Ersatzwährungen existierten, die neben dem Peso akzeptiert wurden. Ein Student aus Griechenland findet, dass die Menschen in seinem Land nicht den Eindruck machen, einer schlimmen Krise ausgesetzt zu sein. Ein Mitarbeiter des Bundestages erzählt einer Chinesin, die beim IMF arbeitet, dass bald der Papst im Parlament sprechen und mit großen Demonstrationen gerechnet wird.

Die Veranstalter geben sich zufrieden mit dem Verlauf des ersten Konferenztages. Vor allem die Begeisterung in den Gesichtern der jungen Ökonomen sei all die organisatorischen Mühen wert. Ihren Idolen nicht nur live bei Vorträgen zu lauschen sondern persönlich mit ihnen diskutieren zu können, ist für alle eine außergewöhnliche Erfahrung. Viele Programmpunkte sind speziell darauf ausgerichtet, den Dialog zwischen den Forschergenerationen zu fördern. In nachmittäglichen Diskussionsrunden können die Jungen Fragen zu den Veranstaltungen des Tages stellen. Wer eine Einladung erhalten hat, kommt sogar in den Genuss, mit einem der Preisträger zu frühstücken. Dafür stehen die Nachwuchswissenschaftler, trotz des langen und anstrengenden Konferenztages, auch gern ganz früh auf.

Von Sandra Kaselow

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Lindau: Die Europäer geben ungern Verantwortung ab

24. August 2011 Kommentare aus

In Sachen Arbeitsmarkt können wir uns von den USA noch eine Menge abgucken – das zumindest legen die Arbeitsmarktdaten der beiden Wirtschaftsregionen nahe. Mit der Frage, was geanu wir lernen können und wo es in Eurozone Potential für neue Arbeitsplätze gibt, beschäftigte sich der Nobelpreisträger Christopher A. Pissarides in seinem Vortrag zur “Zukunft der Arbeit in Europa”. Ein Bericht von der Nobelpreisträgerkonferenz in Lindau.

Der Anteil der Beschäftigten an der arbeitsfähigen Bevölkerung ist in den Staaten mit fast 80 Prozent nicht nur gut zehn Prozent höher als in der Eurozone, auch die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den USA war, betrachtet man die vergangenen 40 Jahre, positiver. Seit den 70er Jahren ist die Zahl der Beschäftigten in den USA stetig gestiegen. In der Eurozone ging sie bis in die 90er Jahre zurück.

„In der Arbeitskultur der beiden Wirtschaftsräume bestehen große Unterschiede, was die Auslagerung von Tätigkeiten angeht.“, sagte Pissarides in seinem Beitrag. Dies beträfe sowohl den privaten als auch den geschäftlichen Bereich. Ein Drittel der geringeren Arbeitsquote der Eurozone ließe sich so erklären. “Die größten Unterschiede in den Beschäftigungszahlen gibt es im Bereich Business Services, wie Accounting, Consulting oder Human Resources.”, so Pissarides. “Amerikanische Firmen beauftragen gern andere Unternehmen, diese Tätigkeiten für sie zu übernehmen, während die Europäer ihnen lieber intern nachkommen.” Das könnte, laut Pissarides, unter anderem daran liegen, dass die Rahmenbedingungen für Unternehmen in Europa schlechter seien. So würden weniger Firmen gegründet, die den Auslagerungs-Tätigkeiten nachgehen könnten.

Es sei aber auch eine Frage der persönlichen Präferenzen, ob und wie viel Arbeit abgegeben wird. “Bei privaten Verbrauchern spielen diese Vorlieben eine besonders große Rolle. Viele US-amerikanische Haushalte lassen außenstehende Personen für sie einkaufen gehen, kochen oder auf die Kinder aufpassen. In Europa hat sich dieser Trend weit weniger durchgesetzt.” Vor allem die Deutschen, Italiener und Belgier kämen ihrer privaten Arbeit lieber selbst nach. “Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Erziehung ihrer Kinder. Die geben sie nicht gern in fremde Hände, sondern lassen sie lieber von Freunden oder Familienmitgliedern betreuen.”

Da es eben Geschmackssache sei, welche Tätigkeiten man selbst ausführen wolle, sei der strukturelle Unterschied nicht generell als schlecht zu bewerten. Trotzdem gäbe es Möglichkeiten, positiv auf den Arbeitsmarkt einzuwirken und bessere Bedingungen für das Entstehen neuer Jobs zu schaffen. Neben den Unternehmensbedingungen würde auch die Besteuerung von Arbeit eine große Rolle spielen. “Höhere Steuern führen dazu, dass weniger gearbeitet und weniger ausgelagert wird.” Diese Aspekte sollten sowohl Wissenschaftler als auch Politiker in ihre Betrachtungen des Arbeitsmarktes mit einbeziehen.

Von Sandra Kaselow

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Lindau: Ein Knaller zur Eröffnung

24. August 2011 Kommentare aus

Die Lindauer -Konferenz der Nobelpreisträger hat heute mit einer echten Knaller begonnen. Der Bundespräsident attackiert die EZB. Das gab es noch nicht. Das war überraschend.
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Davos 2011 – Merkel ohne Effet

29. Januar 2011 Kommentare aus

Vor zwei Jahren hat Angela Merkel schon einmal vor der versammelten Davoser Elite in der damals vollen Congress Hall geredet. Damals gab es – warum auch immer – am Ende stehende Ovationen. Gestern Abend ist die Kanzlerin in selbiger Runde wieder aufgetreten. Und: am Ende gab es höflichen Kurzapplaus. Was an mindestens drei Dingen gelegen haben dürfte.

 

Erstens hat Frau Merkel „nichts Neues“ gesagt, wie der neben mir sitzende Geschäftsmann aus Belgien nach Ende der Rede trocken diagnostizierte.

Zweitens waren die Davoser Zuhörer vermutlich noch unter dem Eindruck der Performance von David Cameron, dem britischen Premier, der kurz zuvor seinen großen Auftritt hatte. Cameron schritt in einer Art Mischung aus Barack Obama und Hamburger Fischmarktverkäufer sprechend über die Bühne, moderierte sich und die Fragen aus dem Publikum selbst. Und hinterließ allein damit mächtig Eindruck. Frau Merkel, naja, ist da halt etwas anders.

Und drittens, was am schwerwiegendsten ist, hat das  werte  Weltpublikum  mittlerweile ein tiefes Verständnisproblem, was die originelle Uminterpretation des deutschen Krisenmanagements durch die Bundesregierung angeht. Zum deutschen Lieblingsspruch gehört derzeit ja allen Ernstes der Satz, dass die Deutschen gern bereit gewesen seien, mit den kriselnden Ländern solidarisch zu sein (diese Solidarität aber nun mal keine Einbahnstraße sei). Das kommt im Ausland halt komisch rüber, wenn jeder sich erinnert, wie sich die Deutschen mit Händen und Füßen und ordnungspolitischen Grundsatzreden  und angedrohten Verfassungsklagen und (voreiligem) Steuerzahlergejammer und dummen „Bild“-Kampagnen monatelang gegen jedwede Hilfe und Solidarität gestemmt haben – und am Ende in einer Nacht- und Nebel-Wochenendaktion nur deshalb den Hilfen zugestimmt haben, weil irgendwann selbst der Bundesregierung klar wurde, dass es ohne Stoppmechanismus für die Marktpanik eine ganz große Katastrophe gibt.

Das jetzt großmütig Solidarität zu nennen, hat schon etwas Dreistes. Da darf man sich über mageren Applaus dann auch nicht wundern.

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Davos 2011 – Oli meets Davos

28. Januar 2011 Kommentare aus

Wenn man in Davos ein paar Tage schon durch die elitären Menschenmengen gelaufen ist, reagiert man irgendwann vergleichsweise gleichmütig, wenn man mal wieder von einer kleinen hektischen Meute umgerannt wird, die hinter dem, sagen wir, britischen Premier David Cameron herhetzt. Oder wenn Bill Clinton an einem vorbei kommt und (natürlich) grüßt. Da muss schon jemand Besonderes kommen. Sagen wir: Oli Kahn.

Der ist tatsächlich hier, eben gekommen – und für einen kleinen Plausch offen, klar. Warum er da sei, frag ich – und bin irgendwie beeindruckt, dass der ja wirklich nicht nur so aussieht wie im Fernsehen, sondern auch genauso spricht, wie er nachgemacht wird. Naja, er sei halt da auf so einem Forum hier, wo es um Sport gehe und um Kommerz und so. Aja, sag ich. Und was denn so seine These dazu sei (was zugegebener Weise eine ziemlich blöde Kolumnistenfrage ist). Naja, er habe ja nun schon zwanzig Jahre im Sport zu tun, so als Profi, und da habe man schon einiges zu sagen. Achso, ja. Ich hake nach, ob er denn jetzt eher für mehr Kommerz sei oder dagegen (noch blödere Frage). Naja, das könne man so halt nicht sagen. Da gebe es schon gute und schlechte Sachen und so. Ok, so eine These reift halt manchmal auch eine Weile.

Besser noch schnell das Thema wechseln. Ob er gleich zu Frau Merkel gehe, frage ich. Ja, das werde er sich jetzt schon mal angucken. Und: Das sei ja schon sehr schön hier, wie man sich einfach mal alles anhören könne. Ja, finde ich auch, sag ich. Das sei allerdings auch sehr verwirrend, so viele Veranstaltungen und Leute. Ja. Wie in seinem MBA-Studium, da stehe man auch erstmal vor der Wahl zwischen sehr vielen Veranstaltungen.  

PS: Wie er es bei Frau Merkel fand, konnte ich ihn eben nicht mehr fragen. wenn ich ihn wieder treffe, frage ich und reiche die Antwort natürlich nach.

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Davos 2011 – Geithner setzt zum Konter an

28. Januar 2011 Kommentare aus

In den vergangenen Monaten dominierte die Euro-Krise alle Sorgen. Jetzt wächst die Angst davor, dass die Finanzmärkte die US-Staatsfinanzen ins Visier nehmen könnten. Für Amerikas Finanzminister Grund genug, der versammelten Weltelite zu erklären, dass Amerika immer noch besser dastehe als viele andere. 
 
Das Spiel ist auch Europa bekannt. Da versuchten die Iren verzweifelt klarzumachen, dass sie nicht wie die Griechen sind. Und die Spanier, dass sie nicht mit Irland vergleichbar sind. Jetzt setzt Amerika ein, wo die Staatsschulden bald 100 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen. „Unser Land ist immer noch jünger als andere“, sagte Timothy Geithner bei seinem Auftritt vor der Davoser Generalversammlung – ohne Europäer, Deutsche oder Japaner namentlich zu nennen, klar. „Und wir haben eine höjhere Produktivität“, so der US-Finanzminister. In der Krise hätten die US-Unternehmen ihre Produktivität sogar viel stärker gesteigert als sonst in Krisen üblich. „Wir sind jetzt viel stärker als vorher“, sagte Geithner. Außerdem werde die Wirtschaft bei weiter anhaltendem Wachstum automatisch wieder mehr Jobs schaffen. Sprich: mit so einer Wirtschaft lässt sich auch eine hohe Staatsverschuldung besser ertragen.
 
Außerdem habe Präsident Barack Obama eine Mehrjahresverpflichtung angekündigt, um das Staatsdefizit abzubauen. Entscheidend sei nun, das glaubwürdig voranzutreiben. Nach wie vor legen die USA dabei mehr Wert darauf, nichts zu überhasten: „Der Defizitabbau muss so passieren, dass es weder die kurzfristige Erholung gefährdet, noch die längerfristige Stärke der US-Wirtschaft untergräbt“, sagte Geithner mit Verweis auf dringend nötige Investitionen in die Infrastruktur. Die USA müssten zusehen, dass unsere Autobahnen und unser Gesunheitssystem in einen besseren Zustand kämen.
 
Eher ungewollt gab der US-Finanzminister bei seinem Auftritt preis, dass der US-Wirtschaft offenbar ein Einbruch zum Jahresende erspart geblieben ist. Die Meldung über einen solchen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Großbritannien hatte diese Woche für viel Aufregung gesorgt. Zwar werden die US-Zahlen erst am heutigen Nachmittag offiziell bekannt gegeben. Geithner sprach allerdings schonmal davon, dass die US-Wirtschaft ja schon seit sechs Quartalen mittlerweile wachse. Und dafür muss auch das vierte Quartal im Plus gewesen sein. „Nach sechs Quartalen Wachstum ist es jetzt Zeit, den politischen Fokus jetzt wieder auf längerfristige Projekte wie Investitionen in die Infrastruktur zu legen“, sagte Geithner. Wobei der US-Finanzminister einräumte, dass Aufschwünge nach solchen Finanzkrisen stets bescheidener ausfallen als sonst. „Es gibt keinen Weg, dies zu verhindern“, so Geithner.
 

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Davos-Kolumne 2011 – Vorsicht, Amerika klaut uns die Angst

28. Januar 2011 Kommentare aus

In Davos treten die einst so selbstbewussten Amerikaner gerade den Beweis an, dass sie mindestens so gut jammern können wie wir. Das ist kein Grund zur Freude. Weiterlesen …

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Davos 2011 – Carmen Reinhart über den Weg zu weniger US-Staatsschulden

27. Januar 2011 Kommentare aus

Die US-Wirtschaftshistorikerin gehört zu den Ökonomen, die durch die Krise zu Ruhm gekommen ist. Mit Ken Rogoff hat sie die lange Geschichte der Finanzkrisen analysiert – und daraus Schlüsse über die Länge der darauf folgenden Rezessionen ziehen können, die aus keinem gängigen Mathematikmodell ableitbar sind. Jetzt ist sie dabei, den nächsten Schritt zu machen – und entwickelt eine ziemlich radikale Idee: eine Rückkehr zu Finanzmarktregeln der 50er- und 60er-Jahren. Um den Abbau der Staatsschulden überhaupt hinkriegen zu können.

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Davos 2011 – Soros und die Euro-Krise

27. Januar 2011 Kommentare aus

Die Regierungen der Euro-Zone sollten den Abbau der inneren Spannungen mit den Einnahmen aus einer Finanztransaktionssteuer finanzieren. Diesen Vorschlag hat in Davos jetzt George Soros gemacht.

 

Es gebe derzeit die Gefahr, dass sich die Euro-Zone zu einer Region der zwei Geschwindigkeiten entwickle, so der Investor. Dies werde politisch schwer tragbar sein. Die natürliche Reaktion darauf wäre eigentlich, so Soros, dass die Länder mit Exportüberschüssen ihre Binnennachfrage ausweiten und den Anderen mit dieser Nachfrage bei der Überwindung der Krise helfen.

Dazu sei aber Deutschland nicht bereit, unter anderem mit Verweis auf die Schuldenbremse. Daher müsse die Euro/Zone nach gemeinsamen Lösungen und finanziellen Mitteln zur Stützung der Konjunktur suchen. Eine solche Möglichkeit wäre, sich sehr stark für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer einzusetzen. Die Erlöse aus so einer Steuer könnten dazu beitragen, ein Europa der zwei Geschwindigkeiten zu verhindern.

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Davos 2011 – INET expandiert

27. Januar 2011 Kommentare aus

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat gestern George Soros Neues zur Entwicklung des Institute for New Economic Thinking, kurz INET, vorgestellt. Unter anderem wird es in Kürze ein Ableger-Institut des INET bei der London School of Economics geben. Dies soll von Eric Beinhocker geführt werden, der vom McKinsey Global Institute kommt. Mehr zum INET folgt.

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Abschluss-Panel in Davos

1. Februar 2010 Kommentare aus

Und wie geht es jetzt weiter mit der Weltwirtschaft? Die Liebe siegt!

 

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„LUV“ sei das Wort, in dem sich die unterschiedlichen Wachstumsverläufe der Regionen am besten zusammenfassen ließen, so FT-Kolumnist Martin Wolf beim großen Abschlusspanel des Weltwirtschaftsforums. 

Ein „L“ für eine zähe Wachstumsflaute in Europa. Ein „U“ für das lange Tal mit späterem Aufstieg in den USA. Und natürlich ein „V“ für die rasante und kräftige Erholung in Asien.  

Der trüben Prognose für Europa mochte selbst Frankreichs Wirtschaftsministerin Christian Lagarde nur vorsichtig widersprechen: Ganz so arg sei es aus ihrer Sicht denn doch nicht, man müsse sich die Form dieses L schon genauer ansehen.  

Das räumte dann auch Martin Wolf gerne ein: „Wir können natürlich diskutieren, ob das ein L in Groß- oder in Kleinbuchstaben ist.“

Von Christian Schütte

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Davos10 – Der Ökonom und das verlorene Paradies

29. Januar 2010 Kommentare aus

Richard Thaler gehört zu den bunteren Vögeln in der Ökonomenzunft. Als er vor Jahren damit anfing, sich systematisch mit der Psychologie, den Fehlurteilen und dem „irrationalem Verhalten“ ökonomischer Akteure zu beschäftigen, war das für Volkswirte ein eher suspektes Randthema.

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Davos10 – Schneller Bankrott für Griechenland

28. Januar 2010 Kommentare aus

Griechenlands Krise ist das ökonomische Top-Thema auf den Fluren in Davos. Hier die Einschätzung von Barry Eichengreen, international renommierter Währungsökonom aus Berkeley, im FTD-Interview. Weiterlesen …

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Davos10 – Von trägen Tankern und teuren Tankstellen

28. Januar 2010 Kommentare aus

Tanker ändern ihren Kurs nur sehr langsam, und dasselbe gilt für die Branche die sie betreibt. Die führenden Player der globalen Energiewirtschaft vermitteln auf dem Krisengipfel in Davos vor allem eines: Kontinuität. Das ist eine schlechte Nachricht für alle, die auf eine rasche Energierevolution hoffen, aber doch immerhin eine gute Nachricht für die Konjunktur.

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Die große Weltwirtschaftskrise habe die Planungen seines Konzerns praktisch kaum verändert, so Tony Hayward, Chef von BP. Die langfristigen Szenarien für Energieangebot und –nachfrage gälten unverändert weiter, auch die Investitionen führe man wie geplant fort. Ähnliches berichteten seine Kollegen Peter Voser und Thierry Desmarest, die Chefs von Shell und Total, aber auch Khalid Al-Falih, der Chef der größten Ölgesellschaft der Welt, der staatlichen saudischen Aramco.

Denn in einem Punkt sind sich alle Energiemanager einig: Fossile Brennstoffe werden auch unter den ehrgeizigsten Klimaschutzszenarien den Antrieb für die  Weltwirtschaft liefern. Auch noch in 20 Jahren werden sie 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs decken. Alternative Energien sind interessant, aber noch lange nicht weit genug, um die Hauptrolle zu übernehmen.

Vor allem der Aramco-Chef gibt sich alle Mühe, jeden Zweifel an der Zukunft seines Produkts zu zerstreuen. Es sei noch immer mehr als genug Rohöl da, die aufgeregte Debatte um „Peak Oil“ habe sich zum Glück erledigt, die Produktion werde auch in Zukunft noch steigen. Saudi Arabien investiere kräftig in Reservekapazität, um kurzfristige Marktschwankungen aufzufangen und den langfristig wachsenden Ölbedarf zuverlässig zu decken. Leider zeige sich aber die Seite der Ölnachfrager weitaus weniger verlässlich und stabil. Es gebe zu viel unseriöse „Rhetorik“ über ein Ende des Öls.

Auch Andrew Liveris, Chef von Dow Chemical und damit einer der größten Abnehmer von fossilen Brennstoffen, hält nichts von Strategien, sich „unabhängig“ zu machen. Entscheidend sei die Versorgungssicherheit, und die erreiche man am besten durch enge Zusammenarbeit: „Interdependence“ statt „Independence“.

Was die Ölproduzenten und ihren Kunden gleichermaßen umtreibt, ist die Angst vor weiterer Preisvolatilität. Das jüngste Jojospiel des Ölpreises sei durch physisches Hedging nicht mehr aufzufangen, klagt Liveris, seit 2002 habe sich die Ölrechnung seines Konzerns vervierfacht, die große Unsicherheit gefährde Investitionen.

In diese Klage stimmt dann auch der Aramco-Chef ein: Das steile Auf und Ab der Preise schade allen Beteiligten. Und damit niemand auf die Idee kommt, das Öl könne noch einmal richtig billig werden, verweist er auf die Kostensteigerungen, unter denen auch sein Land zu leiden habe. Die Kosten für die Förderung eines Barrels hätten sich in den vergangenen Jahren um den Faktor sechs bis sieben erhöht.

Das Öl geht also noch lange nicht aus, aber es wird kontinuierlich teurer – zumindest, wenn es nach den Saudis geht.

 

Von Christian Schütte

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Auftakt in Davos

27. Januar 2010 Kommentare aus

„Vorsichtiger Optimismus“ war angesagt, als Mittwochfrüh zum Auftakt in Davos über die weltwirtschaftlichen Aussichten diskutiert wurde. Das Schlimmste ist überstanden, aber viele dunkle Wolken bleiben – erst recht wenn man den Panelisten Nouriel Roubini fragt.

 

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Wie ein Schock kam deshalb die erste Wortmeldung aus dem Auditorium: „Es ist mir ja unangenehm das zu sagen“, bekannte ein Venture Capitalist aus Silicon Valley. Aber: „Mir geht es richtig, richtig gut.“

 

Noch nie in seiner langen Karriere habe er derart viele Kerninnovationen in der Pipeline gesehen. Die Zahlen für das letzte Jahr seien nicht bloß gut gewesen – „die sind durchs Dach gegangen“. Und überhaupt gehe es ja längst nicht mehr nur um Silicon Valley, sondern auch um Israel, China, Indien…Fazit: “In puncto Innovationen war die Zukunft der Welt noch niemals glänzender.“

 

Die schlechte Nachricht folgte allerdings auf dem Fuße. „Es fehlen die qualifizierten Leute, die die neuen Jobs besetzen könnten.“ Und man täusche sich über die Aussichten für den Arbeitsmarkt nicht: „China wird der größte Produzent von Solarpaneln, und mit den  Jobs, bei denen die Panel aufs Dach geschraubt werden, wird niemand 50 oder 70 Dollar die Stunde verdienen können“.

 

Da war die Stimmung im Saal dann gleich wieder zurück beim „vorsichtigen Optimismus“.

Von Christian Schütte

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