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Posts Tagged ‘Lexikon’

… den Multiplikator

3. März 2009 Kommentare aus

Ob die viele Milliarden schweren Konjunkturpakete weltweit wirken werden, hängt vor allem von einer Zahl ab: ihrem Multiplikator. Nur wenn er deutlich größer ist als eins, werden die Experimente erfolgreich sein. Weiterlesen …

… Bad Banks

5. Februar 2009 Kommentare aus

Trotz Milliardenspritzen von Regierungen und Notenbanken kehrt keine Ruhe auf den Finanzmärkten ein. Auf der Suche nach Auswegen sind Rufe nach einer „Bad Bank“ laut geworden. Weiterlesen …

… die Liquiditätsfalle

2. Februar 2009 Kommentare aus

Sie jagt den Notenbanken derzeit Angst und Schrecken ein. Denn wenn die Menschen das Geld nicht mehr investieren wollen, sind die Notenbanken machtlos. Weiterlesen …

… Exporterstattungen

19. Januar 2009 Kommentare aus

In präzedenzlosen Zeiten wie diesen greifen Politiker oft zu ganz neuen Mitteln. Manchmal holen sie aber auch die ganz alten Instrumente aus der Mottenkiste. So EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel jüngst auf der „Grünen Woche“ in Berlin: Die Exporterstattungen für Milch kommen wieder.  Weiterlesen …

… Interbankensätze

5. Dezember 2008 Kommentare aus

Nichts fürchten Banken mehr als verliehenes Geld nicht wieder zu sehen. In Zeiten der Finanzkrise hat selbst ihr Vertrauen untereinander gelitten. Das zeigen auch die Interbankensätze. Weiterlesen …

… Deflation

26. November 2008 Kommentare aus

Bis ins Frühjahr hinein stiegen die Verbraucherpreise mit drei Prozent oder noch etwas mehr. Die Inflationsangst war groß. Jetzt, nur wenige Monate später, fallen die Preise wieder, und zwar in hohem Tempo. Das ist jetzt auch wieder nicht recht. Weiterlesen …

…Spekulation

30. Oktober 2008 Kommentare aus

Die Börse kann turbulent sein, manchmal sogar unheimlich. In wenigen Tagen schoss der Kurs der Volkswagen-Aktie raketenhaft von etwa 200 auf knapp 1000 Euro. Mit realwirtschaftlichen Fakten hat das wenig zu tun. Vielmehr mit Spekulation. Weiterlesen …

… Liquiditätsknappheit

9. Oktober 2008 Kommentare aus

Die Finanzkrise verunsichert Banken derart, dass sie verzweifelt ihr Geld horten. Das Kreditgeschäft unter den Instituten trocknet aus. Warum sie um ihre Liquidität fürchten.

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Allgemein meint Liquidität die Fähigkeit, ein Wirtschaftsgut schnell gegen ein anderes zu tauschen. Der Begriff bezeichnet deshalb auch die Verfügbarkeit über genügend Zahlungsmittel. Ein Unternehmen soll seine fälligen Rechnungen bezahlen und Kredite bedienen können. In der Makroökonomie beschreibt Liquidität die vorhandene Geldmenge. Sie wird von der wirtschaftlichen Situation, besonders von der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und der Geldpolitik der Zentralbanken beeinflusst.

In der tobenden Finanzkrise ist Liquidität knapp geworden. Viele Banken sind in Schieflage geraten. Einige gingen pleite oder wurden gerade noch rechtzeitig verstaatlicht. Andere Finanzinstitute haben Angst, dass sie das gleiche Schicksal ereilt und hamstern deshalb ihr Geld. Sie wollen ihre Liquidität nicht mehr an den Markt abgeben und riskieren, dass sie es nicht wieder sehen. Selbst massive Geldspritzen der Notenbanken können daran bislang wenig ändern.

Stattdessen legen Banken ihr Geld lieber bei den Zentralbanken an. Wer Zahlungsmittel zu üppig hortet, kann womöglich alle Rechnungen begleichen. Doch diese Unternehmen verzichten auf die übliche Verzinsung und verlieren teilweise ihr Vermögen durch den Preisauftrieb. So erhalten Banken bei der Zentralbank weniger Zinsen als wenn sie es an einen Wettbewerber verleihen würden.

Zusätzlich besteht durch die Finanzkrise die Gefahr, dass Liquidität auch in anderen Branchen knapp wird und Volkswirtschaften insgesamt Schaden nehmen. Vergeben Banken weniger Kredite an Unternehmen, können diese ihre Investitionen schlechter finanzieren. Wachstum und Arbeitsplätze geraten unter Druck.

Banken müssen derzeit außerdem verängstigte Kunden beruhigen, die um ihre Ersparnisse bangen. Trotz Staatsgarantie der Kanzlerin räumen manche ihre Konten leer, investieren ihr Geld in Gold, lagern es in Schließfächern oder zu Hause. Bei einem großen Ansturm versuchen viele Anleger einer Bank etwa zeitgleich ihre Einlagen abzuheben („Bank Run“). Ein Bankhaus hält aber meist nur einen Bruchteil seines Vermögens als Bargeld bereit und hat es längerfristig angelegt. Das Abrufrisiko kann daher selbst solide Finanzinstitute in die Insolvenz treiben.

Sagen Sie, Vertrauen ist gut, viele Banken und Bürger fänden Kontrolle über das eigene Geld aber in der Finanzkrise zunächst besser – ein gefährlicher Kreislauf.

… Sicherungsfonds

25. September 2008 Kommentare aus

Die Pleiten großer Finanzhäuser wie der US-Investmentbank Lehman Brothers verunsichern zunehmend Bankkunden und Versicherte. Sind ihre Vermögen und Verträge sicher?

Bislang müssen Verbraucher keine Angst haben, ihre Guthaben bei Not leidenden Finanzinstituten zu verlieren. Gesetzlich sind Einlagen von Bankkunden bis zu 90 Prozent, maximal jedoch 20.000 Euro geschützt. Zusätzlich haben die Bankengruppen freiwillig weitere Einlagensicherungsfonds aufgebaut. Der Rettungsfonds privater Banken ersetzt pro Kunde bis zu 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals des insolvent gewordenen Finanzinstituts. Bei Lehman Brothers sind das bis zu 285 Millionen Euro – pro Kunde.

Zu den geschützten Einlagen zählen Sparguthaben sowie Tages- und Festgelder. Der Einlagensicherungsfonds erfasst hingegen keine Fondsanlagen oder Wertpapiere, weil diese von den Banken lediglich verwaltet werden. Eigentümer bleibt der Kunde. Bei einer Bankenpleite kann er deshalb die Wertpapiere verlangen und sie einem anderen Institut übertragen.

Wie wichtig solche Sicherheitsnetze sind, zeigte sich am 2. August 2006, als die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) der Privatbank Reithinger verbot, weiterhin Bankgeschäfte zu betreiben. Nach Ansicht der Behörde bestand damals das Risiko, dass die Bank ihre Verpflichtungen gegenüber den Kunden nicht mehr erfüllen kann.

Unklar ist, wieviele Pleiten der Finanzplatz Deutschland verkraften kann. Das Vermögen des Rettungsfonds privater Banken schätzen Experten auf fünf Milliarden Euro. Den Zusammenbruch einer großen Bank würde das Sicherungssystem also niemals überstehen. In diesem Falle müsste der Staat einspringen.

Die Versicherungsbranche hat mit der Auffanggesellschaft Protektor ebenfalls ein Sicherheitsnetz gespannt, das im Ernstfall die Kunden auffangen soll. Geht ein Lebensversicherer pleite, übernimmt Protektor bestehende Verträge und führt sie weiter. So geschehen 2002, als die Mannheimer Versicherung insolvent wurde.

Das Vermögen der Gesellschaft beläuft sich derzeit auf etwa 380 Millionen Euro. Im Extremfall können die Mitglieds-Unternehmen bis zu ein Prozent der versicherungstechnischen Netto-Rückstellungen beisteuern. Ende 2007 waren das 6,5 Milliarden Euro.

Die Gefahr ist gering, dass sich ein deutscher Versicherungskonzern auf dem Kapitalmarkt verspekuliert. Im Branchenschnitt sind nicht einmal 10 Prozent des Kapitals in Aktien investiert. Im riskanten Subprime-Segment, das die Finanzkrise ausgelöst hat, liegen höchstens 0,32 Prozent der Gelder.

Sollten trotzdem einmal große Versicherer Konkurs anmelden müssen, könnte auch das Auffangsystem Protektor überfordert sein. Dann müssten Versicherer ihre Ansprüche aus der Konkursmasse befriedigen.

Sagen Sie, die Banken- und Versicherungsbranche habe zwar große Sicherheitsnetze gespannt – doch auch diese könnten bei zu großer Belastung reißen.

… RTC und HOLC

19. September 2008 Kommentare aus

Jede Finanzkrise hinterlässt der Nachwelt Verluste, Besserwisser und ein Acronym. Wie das neue heißt, ist noch nicht raus. Zeit, die alten noch mal anzuschauen.

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1933 war der Crash an der Wall Street schon über drei Jahre alt.  Der frisch gewählte US-Präsident Franklin D. Roosevelt begann mit einer neuen Wirtschaftspolitik, dem New Deal. Teil dessen war auch die Home Owner's Loan Corporation HOLC. Sie diente dazu, Hypothekenschuldnern, denen das Wasser in der großen Depression bis zum Hals stand, zu helfen.

Die HOLC übernahm von den Hypothekenbanken die Hypotheken, wenn es Zahlungsschwierigkeiten gab, oder wenn die Hypothekenbank selbst in Schwierigkeit war. In der Regel wurde einfach die Laufzeit des Kredits verlängert. Bis 1951 kamen über eine Million Familien in den Genuss dieser Staatshilfe.

Die nächste Bankenkrise des Jahrhunderts hatte Amerika in den 1980er Jahren. Die zog sich allerdings etwas hin. In dieser Zeit gingen über 1300 Immobilienbanken ("thrifts") und Sparkassen (Savings & Loan Associations) pleite, weil sie Ausfälle bei ihren Immobiienkrediten hatten und es Fehler mit der Bankenregulierung gab.

1989 gründete die US-Regierung darum die Resolution Trust Corporation (RTC). Sie kaufte den gestrauchelten Hypothekenbanken und Sparkassen problematische Vermögenstitel im Wert von geschätzten 400 Mrd. $ auf, vor allem Immobilien und Grundstücke. Im Laufe der Zeit hat die RTC diese dann wieder verkauft. Am Ende blieb dem amerikanischen Steuerzahler ein Minus von 124 Mrd. $.

Das Modell dieser so genannten Asset Management Companies (AMC) machte dann Schule, vor allem in Asien. In Japan hieß sie RCC, in Korea KAMCO. In China entstanden gleich vier AMCs.

Ihr Job war immer der gleiche: Von Banken oder anderen Finanzinstituten "gestörte" Vermögenstitel zu übernehmen, zu verwalten und, wenn möglich, irgend wann wieder zu verkaufen.

Wenn Sie wieder einmal Ökonomen beim Sekt über die Rolle des Staates reden hören, die schimpfen, der Staat lebe über seine Verhältnisse, dann sagen Sie: Der Staat hat immerhin ein großes Plus: er hat Zeit.

 

… Panik

17. September 2008 Kommentare aus

Die Wirtschaft gilt als die Welt des emotionslosen Rechnens. Das stimmt nicht immer.

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Panik ist ein Zustand äußerster Angst vor tatsächlichen oder angenommenen Gefahren für das eigene Leben. Das Wort stammt vom griechischen Hirtengott Pan. Über ihn sagten sich die alten Griechen, er könne aus dem Nichts heraus eine ganze Schafherde zu plötzlicher, sinnloser Massenflucht aufpeitschen.

Panik kann im Gehirn die Aufmerksamkeit einschränken oder ganz ausschalten. Psychologen haben drei häufige Reaktionen beschrieben: Flucht, Kampf und Erstarrung. Englisch ist es leichter zu merken: flight, fight und freeze.

Panik äußert sich meist in Symptomen wie Schwitzen, Atemnot, Herzklopfen oder Schwindel. Besonders tückisch sind Massenpaniken, wobei sich die Angstzustände der einzelnen Menschen oder Tiere gegenseitig aufschaukeln.

… Mitarbeiterbeteiligung

28. August 2008 Kommentare aus

Schon lange diskutieren Politiker, wie Arbeitnehmer mehr am Erfolg der Unternehmen teilhaben können. Die Bundesregierung will nun Mitarbeiterbeteiligungen stärker staatlich fördern. Dabei ist das Konzept nicht für alles Betriebe gleich gut geeignet.

 
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Nach den Plänen des Bundeskabinetts können sich Arbeitnehmer in Zukunft sowohl direkt an ihrem Unternehmen beteiligen als auch indirekt über spezielle Fonds – etwa einzelner Branchen. Wer Kapitalanteile an der eigenen Firma kauft, soll mit einem höheren steuer- und abgabenfreien Maximalbetrag von 360 Euro jährlich gefördert werden. Bisher liegt die Grenze bei 135 Euro. Außerdem soll die Arbeitnehmer-Sparzulage von 18 auf 20 Prozent, die Einkommensgrenzen auf 20.000 Euro für Ledige und auf 40.000 Euro für Verheiratete steigen. Auf Seiten des Staates führt die Förderung zu Steuerausfällen.

Bei Mitarbeiter-Kapitalbeteiligungen halten Arbeitnehmer also vertraglich fixiert und dauerhaft Anteile am Unternehmenskapital. Sie können ein Bestandteil des Lohns und Gehalts sein, sich aus dem Privatvermögen speisen, sich in vermögenswirksame Leistungen, Zinsen oder Ausschüttungen niederschlagen. Im Gegensatz zu einer Erfolgsbeteiligung riskiert ein Arbeitnehmer unter Umständen, sein Geld zu verlieren.

Neben dem Risiko bieten sich jedoch auch wesentliche Vorteile. Personalchefs setzen darauf, so die Motivation und damit die Leistung ihrer Mitarbeiter anzuheizen. Sie hoffen auf noch bessere Arbeitsergebnisse, weniger Fehlzeiten und seltenere Stellenwechsel. Politiker erwarten, die auseinander klaffende Schere zwischen wachsenden Firmengewinnen und kaum steigenden Löhnen und Gehältern etwas zu schließen.

In Deutschland sind Mitarbeiter-Beteiligungen bisher wenig verbreitet. Gut zwei Millionen Arbeitnehmer sind mit rund 13 Milliarden Euro an 3750 Unternehmen beteiligt. In der Praxis macht es einen großen Unterschied, ob es sich um kleine oder große Firmen handelt. In kleinen Betrieben entsteht eher ein Wir-Gefühl der Belegschaft. Andererseits sind sie häufig auf Hauptgesellschafter zugeschnitten, die ihren großen Einfluss nicht eingeschränkt sehen wollen.

Es gibt zwei Varianten: Die Eigenkapital- und die Fremdkapitalbeteiligung. Im ersten Fall profitieren Mitarbeiter von möglichen Gewinnen, müssen aber auch eventuelle Verluste einstecken. Bei Personengesellschaften ist das oft aus gesellschafts- und steuerrechtlichen Gründen nicht sinnvoll. In einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) gilt  unbeschränkte Haftung. Sich als Kommanditist an einer Kommanditgesellschaft (KG) zu beteiligen kommt aus steuerlichen Gründen nicht in Frage.

Bei den Kapitalgesellschaften gilt die Beteiligung am Eigenkapital einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) nur als eingeschränkt geeignet, gerade wegen aufwendiger Formvorschriften. Die Aktiengesellschaft (AG) hingegen bietet sich als attraktives Modell an. Sie ist leicht veräußerbar, Anteilseigner haften nur in Höhe ihrer Beteiligung. Bei der zweiten Variante, der Fremdkapitalbeteiligung, stellen Mitarbeiter dem Unternehmen einen Geldbetrag zur Verfügung und erhalten darauf Zinsen. Mitsprache- und Mitentscheidungsrechte ergeben sich daraus nicht.

Sagen Sie, Mitarbeiter-Beteiligungen könnten möglicherweise die Polarisierung in Arm und Reich bremsen, seien hierzulande aber noch kaum entwickelt.

… die Arbeitslosenversicherung

20. August 2008 Kommentare aus

Auch in Zeiten historisch niedriger Arbeitslosigkeit ist sie Gegenstand von Diskussionen.

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Jeder Arbeitnehmer ist in Deutschland obligatorisch gegen Arbeitslosigkeit versichert. Dazu zahlt er derzeit 3,3 Prozent seines Gehalts, wobei formell davon die Hälfte der Arbeitgeber übernimmt, was aber im Endeffekt egal ist. Ab einem Gehalt von 5300 Euro (in Westdeutschland) bleibt der Beitrag pauschal bei 3,3 Prozent von 5300 Euro.
 
Dieser Beitrag war schon mal deutlich höher. Vor kurzem lag er noch über sechs Prozent. Von den Einahmen bezahlt die Bundesagentur für Arbeit vor allem das Arbeitslosengeld für Arbeitslose, die vorher versichert waren. Daneben gibt es aber noch viele darüber hinausgehende Leistungen wie Weiterbildung und andere Zuschüsse. Angesichts der guten Arbeitsmarktlage wird über eine weitere Absenkung der Beiträge diskutiert. 
 
Die eigentliche politische Diskussion geht aber darum, ob die Arbeitslosenversicherung wirklich eine Risikoversicherung ist oder eine Art Lebensversicherung mit Ansparfunktion. Es geht darum, ob die Leistung abhängig sein soll vom Umfang der Einzahlungen oder nicht.
 
Wenn Sie Ökonomen über die Arbeitslosenversicherung reden hören, sagen Sie einfach: Das Problem ist, dass die Deutschen Versicherungen oft als Sparbuch (miss-)verstehen.
 
 

… Streiks

7. August 2008 Kommentare aus

Ob Lufthansa-Piloten, Lokführer, Telekom-Mitarbeiter oder Angestellte der Metallindustrie – In den letzten Monaten haben Gewerkschaftler mit spektakulären Arbeitskämpfen auf sich aufmerksam gemacht. Wann Arbeitnehmer streiken dürfen und wie oft sie es tun.

 

Bei einem Streik (engl.: strike = Schlag, Streich) legen Arbeitnehmer gemeinsam ihre Arbeit nieder, um Druck auf ihre Arbeitgeber auszuüben und ihre Forderungen durchzusetzen. Erlebt die Konjunktur einen Aufschwung, wird erfahrungsgemäß deutlich mehr gestreikt als in Phasen schwachen Wachstums. Schließlich gibt es mehr zu verteilen.

Das Streikrecht ist im Artikel 9 des Grundgesetzes verankert. Doch ein Arbeitnehmer kann sich nicht einfach spontan eine Streikjacke überziehen und mit einer Trällerpfeife vor das Betriebsgelände marschieren. Wer sich an einem Streik beteiligt, der nicht von einer Gewerkschaft organisiert ist, muss mit einer Schadensersatzklage und Kündigung rechnen. Außerdem sind Streiks für höheren Lohn während der Laufzeit eines Tarifvertrags unzulässig (Friedenspflicht).

Nach gängiger Rechtsprechung müssen Arbeitskämpfe verhältnismäßig sein und dürfen im konkreten Fall nur als letztes Mittel eingesetzt werden. Allerdings haben Arbeitnehmer auch bei einem erlaubten Streik keinen Anspruch auf Lohn oder Gehalt, solange sie sich an ihm beteiligen. Gewerkschaftsmitglieder erhalten in dieser Zeit Streikgeld.

Wenn die Arbeitnehmer während der Tarifverhandlungen für kurze Zeit die Arbeit niederlegen, spricht man von einem Warnstreik. Ein normaler Streik ist erst zulässig, nachdem der gültige Tarifvertrag ausgelaufen ist. Die Friedenspflicht erlischt, wenn die Tarifverhandlungen offiziell gescheitert sind und der Schlichtungsspruch einer neutralen Schlichtungskommission abgelehnt worden ist. Bevor der Streik beginnen kann, müssen üblicherweise die betroffenen Gewerkschaftsmitglieder (Urabstimmung) und der Hauptvorstand dafür stimmen.

Die massiven Arbeitskämpfe der letzten Monate könnten die Vermutung nahelegen, in Deutschland werde viel gestreikt. Nach Angaben des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft fielen im Jahr 2007 rund 580.000 wegen Ausständen aus. Im internationalen Vergleich ist Deutschland jedoch ein streikarmes Land. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkts- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB). Sie untersucht das Streikvolumen in 17 OECD-Ländern zwischen 1970 bis 2000.

In Puncto Arbeitsfrieden rangiert die Bundesrepublik durchweg auf einem Spitzenplatz.  Zwischen 1991 und 2000 etwa gingen hierzulande 9,3 Arbeitstage pro Jahr und 1000 Beschäftigte durch Streiks verloren. Weniger waren es nur in der Österreich (3,8), Japan (2,0) und der Schweiz (1,5). In Kanada hingegen fielen jährlich 189, in Dänemark 169 und in Italien fast 130 Arbeitstage je 1000 Beschäftigte weg.

Es ist kein Zufall, dass Deutschland so abschneidet. Als ein wichtiger Grund gilt das vergleichsweise restriktive Streikrecht. Auch politische Streiks sind verboten. In einer Demokratie soll der politische Willen durch die verfassungsmäßig vorgesehenen Organe und Verfahren frei von Zwängen umgesetzt werden. Gemindert werden Konflikte außerdem durch das Prinzip der Einheitsgewerkschaft mit vergleichsweise wenigen Gewerkschaften, das Modell der Mitbestimmung und das System der Flächentarifverträge.

Schließlich führt auch die Globalisierung dazu, dass die Arbeitnehmer seltener ihre Arbeit niederlegen. Der IAB-Studie zufolge sinkt das Streikvolumen um durchschnittlich fünf Tage, wenn die Exportquote um einen Prozentpunkt wächst. Offenbar erhöht der Außenhandel den Wettbewerbsdruck auf inländische Unternehmen und wirkt damit disziplinierend auf die Konfliktparteien.

Sagen Sie, in letzter Zeit seien die Deutschen zwar recht streikfreudig, im langfristigen internationalen Vergleich aber recht zahm.

… Zweitrundeneffekte

23. Juli 2008 Kommentare aus

Die Preise steigen weltweit. Noch scheinen die Konsequenzen begrenzt, weil es bislang kaum zu Zweitrundeneffekten kam. 

 
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Erst wenn Zweitrundeneffekte eintreten, dann wird die Inflation wirklich zum Problem, heißt es.  Bislang sind es vor allem die stark gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise, die die Inflation treiben.
 
Für die Verbraucher bedeutet das, dass sie Kaufkraft verlieren. Irgendwann holen sie sich die jedoch über höherer Löhne und Gehälter wieder. Fallen diese Lohnerhöhungen aber deutlich höher aus als die aktuelle Inflationsrate, dann können sie damit selbst wiederum die Inflation antreiben: Produzenten sind bei höheren Löhnen mit höheren Kosten konfrontiert, die sie selbst wiederum in höheren Güterpreisen hereinholen werden.
 
Die Inflation geht quasi "in die zweite Runde". Das Spiel kann sich natürlich weiter fortsetzen, darum auch "Lohn-Preis-Spirale" genannt.
 
Sagen Sie beim nächsten Gespräch über die Teuerung, wirklich ein Problem ist die Inflation ja erst in der zweiten Runde.