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Fabian Fritzsche: Trump, Nordkorea und das Schweigen der Finanzmärkte

12. August 2017

Seit der US-Präsidentschaftswahl Anfang November werden die Schlagzeilen nahezu weltweit beherrscht von Donald Trump. Tag für Tag gibt es neue Gerüchte, Eskapaden, Peinlichkeiten. Die geplante Abschaffung von Obamacare ist spektakulär gescheitert, von einer Steuerreform ist kaum noch die Rede, außer Ankündigungen und Symbolpolitik scheint die neue Regierung bisher erstaunlich wenig umsetzen zu können. Gleichzeitig sind die Börsen unbeeindruckt weiter gestiegen. Kaum erwähnenswert, dass Trump den Anstieg seit November 2016 für sich reklamiert. Auch hier zeigt ein Blick auf die Fakten, dass die Börsen von November 2016 bis heute pro Jahr nicht stärker gestiegen sind als zwischen 2009 und 2015. Der Schluss liegt nahe, dass es den Börsen nahezu egal ist, wer Präsident ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bis Anfang August war die Entwicklung der Börsen noch gut erklärbar: Die Trump-Regierung bekommt Gesetzesvorhaben mit großer ökonomischer Bedeutung nicht durchgesetzt, es bleibt also in der Hinsicht alles beim Alten und somit gibt es auch keinen unmittelbaren Grund für eine Trendwende an den Börsen.

Seit Anfang August aber eskaliert der Nord-Korea-Konflikt zusehends. Während die Weltöffentlichkeit Drohungen, zum Teil auch sehr drastisch formulierte, aus Nordkorea durchaus gewohnt ist, ist eine vergleichbare Rhetorik aus dem Weißen Haus neu. Und so wie Trump auch überraschend Syrien mit Raketen angegriffen hat und die größte konventionelle Bombe auf Afghanistan abwerfen ließ, kann kaum ausgeschlossen werden, dass er in Nord-Korea ähnlich handeln wird. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sich Trump und Kim Jong-un in Ihrer aggressiven Rhetorik gegenseitig so weit hochschaukeln, bis Jong-un irgendein militärisches Zeichen setzen muss, um in seiner Welt glaubwürdig zu bleiben. In jedem Fall lässt sich kaum bestreiten, dass die Kriegsgefahr so groß ist wie lange nicht. Doch auch jetzt gibt es keinerlei Reaktion der Börsen, der Zinsen, der Währungsmärkte. Irgendwer muss nun aber falsch liegen. Entweder die große Mehrheit der Medien, die möglicherweise leere Drohgebärden unnötig wichtig nimmt oder aber die Finanz- und Kapitalmärkte, die Trump zu Unrecht für eine „Lame Duck“ halten, die nur redet, aber nicht handelt.

Eine Auswertung der Börsenentwicklung jeweils ein Jahr vor Ausbruch eines internationalen Konflikts zeigt ein chaotisches Bild.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor dem jeweiligen Ereignis gab es in keinem der Fälle eine Reaktion der Börse, die klar mit dem Ereignis in Verbindung gebracht werden kann. Teils sanken die Börsenkurse vorher, allerdings ohne erkennbaren Bezug zum Ereignis, teils stiegen die Kurse vorher sogar und dies obwohl sich ein Krieg oder zumindest schwerer Konflikt oftmals lange vorher ankündigte.

Die ausgewählten acht Konflikte/Kriege und die Betrachtung jeweils über ein Jahr vorher, also ohne Betrachtung der individuellen Vorgeschichte erlauben möglicherweise kein abschließendes Urteil, doch deuten die Ergebnisse stark darauf hin, dass die Börsen kein gutes Krisenbarometer sind. Im aktuellen Umfeld ist dies leider ein schlechtes Zeichen. Die Ruhe der Börsen trotz der rhetorischen Eskalation im Nord-Korea-Konflikt kann eine trügerische Ruhe sein.

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