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David Milleker: Übernimmt Trump die Fed?

2. April 2019

Ende März hat US-Präsident Donald Trump den Ökonomen Stephen Moore für einen der beiden letzten, vakanten Plätze im Offenmarktausschuss der US-Notenbank nominiert. Die Nominierung ist insofern interessant, als sie auf ein Jahr beißender Kritik an der US-Notenbank aus dem Weißen Haus folgt – und auf die überraschende Abkehr der Federal Reserve zur Jahreswende vom Autopilot-Kurs der quartalsweisen Zinsanhebung und Bilanzreduktion. Pikanterweise folgte diese 180-Grad-Wende kurz nachdem das Weiße Haus in Person des Wirtschaftsberaters Larry Kudlow kundgetan hatte, das Wunschprofil von Fed-Gouverneuren seien Personen mit der Meinung, starkes Wirtschaftswachstum habe wenig bis keine inflationären Wirkungen.

Mit Stephen Moore fällt die Wahl des Weißen Hauses auf eine Person mit „sehr flexiblen Haltungen“ zur Wirkung von Geldpolitik. Im Dezember 2018 urteilte er: Die [Geldpolitik der] Fed war viel zu straff. Sie haben bereits vor drei Monaten einen schweren Fehler mit ihrer Zinsanhebung gemacht. Wenn sie morgen nochmal die Zinsen anheben, sollten sie alle wegen ökonomischer Fehldiagnose gefeuert werden“. Im Dezember 2015 lautete seine Diagnose: „(Links-)Liberale glauben, dass Geldschöpfung die Wirtschaft und die Börsen stimuliert. Das stimmt aber bestenfalls kurzfristig. Die Druckerpresse ist leider kein Job-Motor“. Eine interessante Position von Moore ist sicher auch, offizielle Wirtschaftsstatistiken in Zweifel zu ziehen wie hier.

Nun können sich ökonomische Einschätzungen je nach den vorherrschenden Rahmenbedingungen ändern. Was im einen Fall richtig sein mag, kann im anderen Fall kontraproduktiv sein.

Im Falle von Stephen Moore drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass seine Positionen sich weitgehend danach richten, was jeweils die gerade vorherrschende Mehrheitsmeinung bei den Republikanern ist. Und die ist gerade eben mal Trumpismus.

Insofern kann man die Nominierung von Stephen Moore als weiteren Angriff auf die Unabhängigkeit einer amerikanischen Institution sehen. Eine Einzelperson wird nicht ausreichen, um diese vollkommen auszuhöhlen. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass das Weiße Haus seine Personalpolitik als Hebel benutzt, um inhaltlich Einfluss auf die Notenbank zu nehmen. Und vor dem Hintergrund, dass der Präsident im Falle seiner Wiederwahl ab dem Jahr 2022 einen neuen Chef der Fed nominieren kann, muss man sich auch darauf gefasst machen, dass es sich hierbei möglicherweise erst um den Anfang eines schrittweisen Umbaus der Fed in den verlängerten Arm der Trump- Administration handelt.

Zum Autor: David Milleker ist Senior Economic Advisor bei Union Investment.

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