Startseite > Out of Wirtschaftsdienst > Wirtschaftsdienst exklusiv – Wann lohnen sich öffentliche Investitionen?

Wirtschaftsdienst exklusiv – Wann lohnen sich öffentliche Investitionen?

21. Januar 2017

Kreditfinanzierte staatliche Investitionsprogramme können zur Sicherung der Generationengerechtigkeit beitragen, wenn sie Wachstumspotenziale stärken und die staatliche Schuldenquote langfristig senken. Davon sind Tom Krebs, Professor an der Universität Mannheim, und Martin Scheffel, Juniorprofessor in Köln, überzeugt. Sie haben die Relevanz öffentlicher Investitionen für die deutsche Volkswirtschaft mithilfe eines  makroökonomischen Modells nachgewiesen. In der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst zeigen sie, wieso die Politik die vorhandenen fiskalische Spielräume nutzen sollte.

Derzeit sieht es in der deutschen Volkswirtschaft gut aus: Das Wachstum ist solide, die Beschäftigung hoch und der Staatshaushalt ausgeglichen. Aber hinter diesem positiven Eindruck verbergen sich strukturelle Schwächen, wie die Autoren meinen:  Zum einen der demografische Wandel, zum anderen die ungleiche Verteilung. Beides kann langfristig dafür sorgen,  dass das Wirtschaftswachstum, die öffentlichen Finanzen und die Beschäftigung  gefährdet sind.

Öffentliche Investitionen, vor allem wenn sie kurzfristig zu staatlichen Defiziten führen, werden in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Keynesianer sprechen sich dafür aus, ordnungspolitisch geprägte Ökonomen sehen das negativ.  Nüchtern betrachtet könnten aber sicher beide Lager dem Grundsatz zustimmen, dass ein Erfolg zu verzeichnen ist, wenn die positiven gesamtwirtschaftlichen Effekte größer sind als die durch Zinssteigerungen (durch die höhere staatliche  Kreditnachfrage) verursachten Verdrängungseffekte (der privaten Kreditnachfrage).

Die Autoren gehen in ihrer Studie für das Wirtschaftsministerium von drei möglichen Investitionsprogrammen aus:  Infrastrukturinvestitionen (Verkehr, Digitalisierung), Investitionen in die Ganztagsbetreuung in Schulen und Kitas, Investitionen in Hochschulen. Der Umfang aller Maßnahmen ist in dem Modell gleich hoch. Die Analyse untersucht ihre langfristigen Auswirkungen auf das Produktionspotenzial , kurzfristige Nachfrageeffekte werden nicht berücksichtigt.

Generell konstatieren die Autoren: „Die untersuchten Investitionsprogramme führen zu einer erheblichen Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Produktion – es sind volkswirtschaftlich sinnvolle Investitionen in die Zukunft der deutschen Gesellschaft.“  Als besonders günstig haben sich die Investitionen in Kitas und Schulen erwiesen:  Die langfristigen Nettomehreinnahmen des Staates waren am höchsten und vor allem die Beschäftigung dürfte langfristig enorm wachsen, weil durch die Ganztagsbetreuung  mehr Frauen erwerbstätig sein können. Eine bessere Beschäftigungssituation wirkt sich  langfristig auch  positiv auf die Einkommensverteilung aus.  Insofern kommen die Autoren zu dem Schluss: „Diese Ergebnisse sprechen für eine Politik, die vorhandene fiskalische Spielräume zur Stärkung der öffentlichen Investitionen nutzt.“

zum Beitrag

Advertisements